Teil eines Werkes 
4. Bd. (1874)
Entstehung
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Letzteres that Sophie, indem ſie ſich dort auf ein klei⸗ nes vergoldetes Stühlchen niederließ, welches Georg ſeiner lieben Fee eines Tages in heiterer Laune aus der Stadt mitgebracht. Sie legte den Kopf in die Hand des auf⸗ geſtützten Armes, und daß ihre Gedanken ſehr ernſter und ſehr trüber Art waren, bewieſen ihre langen und ſchweren Athemzüge.

Dann erhob ſie ſich und trat in eine Ecke des Ge⸗ maches, wo ein einfaches Tiſchchen ſtand und auf dieſem eine kleine armſelige Drehorgel, auf welche das photo⸗ graphiſche Bildniß eines anſcheinend vor der Zeit gealter⸗ ten, müde und krank ausſehenden Mannes herabſchaute, deſſen weit offen ſtehende Augen einen eigenthümlich ſtarren Ausdruck hatten. Ein ſichtbar ſchon trocken gewordener Epheukranz umgab dieſes Bildniß, und nachdem Sophie es lange betrachtet, flüſterte ſie leiſe:Wenn du noch leb⸗ teſt, armer, unglücklicher Vater, würde ich ſo gern deinem Rathe folgen und damit vielleicht auch dem Zuge meines

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Herzens. W

Dann zuckte ſie beinahe erſchreckt zuſammen, als eine Hand ſanft die ihrige ergriff, ohne daß ſie eine Annähe⸗ rung gehört oder gefühlt, und ihr Herz erbebte bei dem weichen Tone einer ihr wohlbekannten Stimme, die in bittendem Tone ſagte:So folge denn dem Zuge deines guten Herzens und auch er wird dich dafür ſegnen! Mache mich glücklich durch deine Liebe, Sophie, mein Kind, und nimm durch deinen heiligenden Kuß das furchtbare Zeichen