Teil eines Werkes 
4. Bd. (1874)
Entstehung
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hatte, und nun zur Antwort gab:Wer weiß, was der Abend noch bringt! Hoffentlich nur Gutes und Schönes, und wollen wir als Einleitung zuerſt unſere eigene trübe Stimmung von uns werfen und die Gläſer anklingen laſſen auf das Wohl aller derer, die unſerer in Freund⸗ ſchaft und Liebe gedenken!

Sophie war dem Hauſe zugeſchritten, indem ſie ernſt, faſt trübe vor ſich niederblickte, und jetzt verſchwand ſie in dem ſeitwärts gelegenen Eingange, um gleich darauf in ihr kleines, aber mit poetiſcher Anmuth ausgeſtattetes Zimmer zu treten, ihr Allerinnerſtes, wie ſie es nannte, ihren reizenden Schmollwinkel, obgleich ſie in dieſer Rich⸗ tung von dem lieblichen Raume noch keinen Gebrauch gemacht hatte.

I Durch die mit Weinlaub dicht umſponnene Veranda, welche das kleine Haus auf der Langſeite umgab, herrſchte auf dieſer Seite des Gemachs ſelbſt bei hellem Sonnen⸗ lichte eine anmuthige Dämmerung, die noch farbenreich vermehrt wurde durch einige bunte, vortreffliche Glasge⸗ mälde, und es wäre im ganzen Raume wohl zu dunkel zum Leſen oder Schreiben geweſen, wenn nicht ein Fenſter mit einer einzigen großen Scheibe auf der Rückſeite Licht eingelaſſen und ſich zu gleicher Zeit wie ein ſcharf einge⸗ rahmtes, lebendiges Waldbild im friſcheſten Grün darge⸗ ſtellt hätte. Dafür aber bildeten die bunten Scheiben mit ¹ dem Weinlaub dahinter einen heimlichen, lauſchigen Winkel, wie gemacht zu leiſem Geflüſter oder auch um ſich den eigenſten Gedanken hinzugeben.

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