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einen forſchenden Blick auf Sophie, die es aber nicht zu bemerken ſchien, da ſie gerade die übrigen Gläſer füllte.
Dann ſtießen Alle heiter an, und durch die Bemerkung des Arztes angeregt, tauchten in dem lebhaften Geſpräche Namen, Geſtalten und Erinnerungen der vergangenen Zeit in bunter Reihe auf.
Herr Joſeph Schropps erwähnte ſeines Neffen, von dem er Nachrichten hatte, daß er mit dem, was er noch von ſeinem großen Vermögen gerettet, nach Amerika zu⸗ rückgekehrt ſei und nicht mehr daran dächte, die Heimat wiederzuſehen.
„Schlechter iſt es dem edlen Freiherrn ergangen,“ ſagte der Arzt;„ich weiß nicht, ob ſich Einer von euch ſeines ſchweigſamen Kammerdieners erinnert?“
„O ja, o ja!“ warf Herr Schropps ein.
„Durch einen für den Freiherrn unangenehmen Zufall wurde dieſem Kammerdiener eine bedeutende Summe an⸗ vertraut, mit welcher er, ſtatt ſie ſeinem Herrn einzuhän⸗ digen, ſchweigend das Haus verließ, in gewöhnlichem An⸗ zuge, um kein Aufſehen zu erregen, äußerlich und innerlich ſo zugeknöpft, daß er am Schalter des Bahnhofes nur den Namen einer kleinen Station in nächſter Nachbarſchaft ausſprach und darauf nimmer geſehen wurde. Ich erfuhr das durch den Freiherrn ſelbſt, der in einer ganz ver⸗ zweifelten Lage zu mir kam und mich um Schutz und Hülfe bat. Doch konnte ich, was Erſteres anbelangte, begreiflicherweiſe nichts für ihn thun, half ihm aber, die Stadt zu verlaſſen, und weiß nicht, wohin er gegangen—


