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„So haben wir am Ende gar ein Concert?“ fragte Hauptmann Quinſcheidt, ſich die Hände reibend.
„Vielleicht auch das, wenn es die gnädige Frau ge⸗ ſtattet,“ gab Meiſter Georg lachend zur Antwort,„denn die gnädige Frau haben heute ganz allein zu befehlen— wie eigentlich immer,“ ſetzte er mit einer tiefen Verbeu⸗ gung hinzu.
„Und warum denn heute ganz beſonders?“ fragte Herr Schropps.
„Heute iſt für ſie ein Erinnerungstag,“ entgegnete Meiſter Georg heiter,„denn am heutigen Tage hatte ſie das große Glück, mich nach einem Zeitraume von mehre⸗ ren Jahren wiederzuſehen.— O, meine gute Sophie,“ ſetzte er, ihre Hand ergreifend, hinzu,„wie glücklich fühlte ich mich damals, als ich dich im weißen Kleide wie heute in dem kleinen Garten vor meinem Fenſter ſtehen ſah!“
„Nach einer durchſchwärmten Nacht,“ ſagte ſie, ſcherz⸗ haft mit dem Finger drohend.
„Ja, und auch jener Nacht wollen wir gedenken; es war ein dunkler Kreis, den ich berührt, doch mir zum Heil: die Strömung riß mich nach oben, an's Licht— zu dir!“
„Gut denn,“ rief Doktor Werner in fröhlicher Laune, indem er das Glas ergriff, welches die junge Frau ihm zuerſt bot;—„erinnern wir uns der vergangenen Zeiten, der Freunde in herzlicher Liebe, Anderer ohne Groll und Bitterkeit!“
Er trank den duftenden Maiwein und warf dabei


