Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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Doch kam es anders, wie wir oben ſchon geſagt. Das Haus der Staatsräthin wurde von einer großen Baugeſellſchaft zu Bureaux für ihre Architekten benutzt, die ſich hier behaglich einrichteten und welche zur großen Enttäuſchung auf neugierige Fragen die Antwort gaben, daß ſie nirgendwo, auch nicht in den Kellern, irgend etwas Verdächtiges entdeckt hätten.

Somit wäre denn hier alle Poeſie in's Waſſer ge⸗ fallen und jedes abenteuerliche Gerücht ausgelöſcht worden, wenn nicht eine brave und zuverläſſige Waſchfrau, die vor der Morgendämmerung mit ihrem Laternchen auf die Kundſchaft zu gehen pflegte, erzählt hätte, daß ſie es deut⸗ lich geſehen, wie vor dem Hauſe der Staatsräthin ein Karren mit einem großen Faß beladen worden ſei, wie es in dem Faß geſchüttelt und gepoltert hätte, als man es ſpäter bei ihr vorüber gefahren; denn ſie hätte ihr Laternchen ausgelöſcht und ſich beim Neubau am ehe⸗ maligen Hauſe der Gebrüder Schropps verſteckt, auch ver⸗ möge ſie es feierlich zu betheuern, daß das Faß erdig und unheimlich gerochen habe.

Damit war die Sache doch ſo klar als möglich be⸗ wieſen: man hatte es für gut befunden, das Faß, dieſen grauenhaften Zeugen, nächtlicher Weiſe bei Seite zu ſchaffen, und es hatten darauf hin dieſe dummen Architekten gut lachen über bezügliche Fragen und konnten bereitwillig die Keller öffnen, damit man ſich darin umſehe es war der helle Schwindel, wie ſo Manches in dieſer ver⸗

dorbenen Welt.

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