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Bald wuchſen die Häuſer wie Pilze aus K denn man ſah es nur zu gut, wie prächtig die lkaßen gelegen waren, die hier nun wie durch Zauber entſtahden.
Viel Verkehr war allerdings hier nicht zu ſchauen, denn es
hatten ſich meiſtens reiche Leute angeſiedelt, die entweder ihre Fabriken oder ihre Bureaux in lebhafteren Stadttheilen hatten,
oder die ruhige Geſchäfte im eigenen Hauſe trieben, oder
von ihren Renten lebten. Man las an den kleinen Meſ⸗ ſingtafeln der Hausthüren faſt nur ſchöne und bekannte Namen, und wenn auch manche Gold⸗ und Silberberge, Saphire, Rubin⸗ und Sonnenſteine darunter waren, und
zwar faſt immer an den ſchönſten Häuſern, wo ſich auf
den Balkons ſtarke Damen in auffallend hellen und ſchil⸗ lernden Kleidern ſehen ließen, ſo war das eben ein Zeichen
der Zeit wie ſo manches Andere und that der gemüth⸗
lichen und ſtillen Langeweile hier keinen Abbruch. Die Hausthüren waren ſtets feſt verſchloſſen, hinter den großen Fenſterſcheiben ſah man unbewegliche Vorhänge, ſelten ein neugieriges Menſchengeſicht oder eine friſche Mädchengeſtalt die ſich auf den ſchwellenden Kiſſen der Fenſterbrüſtung ge⸗
ſtützt hätte, um die Vorübergehenden zu betrachten. Kein
Lärm luſtiger Kinderſpiele wurde mehr gehört, nur das— Rollen der Equipagen; überhaupt beſtand nichts mehr,
gar nichts mehr, was an die ehemalige Zigeunerinſel erinnert hätte oder was übrig geblieben wäre„aus früheren* Tagen“.
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