Zwei Jahre ſpäter. 317
teren Styl erbaut; auch wurde das Strenge ſeiner Maſſen gemildert durch Säulengänge unten, Balkons und Terraſſen oben. Vor dem Hauptthor befand ſich eine ſo koloſſale Ve⸗ randa, daß ſie weit über die Rampe, wo die Wagen auff fuhren, hinüber auf eine weite Terraſſe reichte, die mit Steingeländer eingefaßt war und von der aus man eine wunderbare Ausſicht auf den in der Tiefe vorbeifließenden breiten Strom, ſowie auf und abwärts auf das Donauthal ſelbſt hatte, welches hier mit maleriſch geformten, wenn auch ziemlich flach anſteigenden Bergen begrenzt war, die an ver⸗ ſchiedenen Stellen Kapellen, kleine Dörfer, Schlöſſer oder auch alte Burgruinen zeigten.
Auf der Terraſſe, von der wir eben ſprechen, ſtand ein großer, etwas ſtarker, aber dabei wohl gewachſener Mann neben einem Lehnſtuhle, in welchem eine Dame ſaß, die ein aufgeſchlagenes Buch auf den Knieen liegen hatte. Sie las aber nicht in demſelben, ſondern blickte zu dem Herrn auf, der den Hut abgenommen hatte, ſich mit der Hand durch das blonde Haar fuhr, dann an ſeinem horizontal abſtehenden Schnurr⸗ barte drehte und hierauf langſam ſeine Uhr hervorzog.
„Sie werden,“ ſagte er darauf mit einer tiefen, wohl⸗ klingenden Stimme,„die Eiſenbahn bis zur Station D. be⸗ nutzen und kommen dort um zehn Uhr an; dorthin hat Hugo ſeinen Reiſewagen beſtellt, fährt alsdann zu deiner Schweſter, was mit dem Aufenthalt dort mindeſtens zwei Stunden wegnimmt; von da hieher brauchen ſie wieder zwei Stunden, können alſo um zwei Uhr anlangen. Jetzt iſt es ein Uhr.“
„Du wollteſt ihnen ja entgegen reiten, George.“
„Ja, ich wollte wohl, doch weiß ich nicht recht; aber du weißt, Julie, daß ich dergleichen Ueberraſchungen nicht liebe.“


