Zwei Jahre ſpäter. 315
was ich damals, als ich noch ſehr, ſehr unglücklich war, ſchon für eigenthümliche Phantaſieen erfand, um mich zu quälen. Dazu aber mußt du den Weg rechts nehmen.“
Eugenie ergriff Zügel und Peitſche und lenkte mit einer außerordentlichen Sicherheit in den ſchmalen Weg ein, der an dem ſtillen See vorbeiführte, welcher hinter dem Hauſe lag.
„Siehſt du dort, Eugenie, dicht am Waſſer jenen um⸗ geſtürzten Stein? Dort ſaß einſt— der Neffe des Jägers und dachte natürlicher Weiſe an dich; du warſt damals in der Stadt, und quälte ſich und träumte und phantaſirte, bis er zuletzt weinend vor tiefem Schmerz ſeinen Kopf in die Hände verbarg und dann———— ſehnſüchtig nach dem ſtillen, verlockenden Waſſer blickte. Da war es dem Neffen des Jägers, als ſteige ein leichter Dunſt über dem Waſſer auf und trennte den glänzenden Spiegel deſſelben. Und als er den Kopf erhob und darauf hinblickte, meinte er, ſich ein Bild im Waſſer wiederſpiegeln zu ſehen— das Bild eines leichten Wagens wie dieſer, die Geſtalt zweier Pferde wie jene, und in dem Wagen die eine, die er überall ſah, ſelbſt die Zügel lenkend, da neben ihr, wie jetzt hier, ein Müſſig⸗ gänger ſaß, deſſen ganzes, ſeliges Geſchäft darin beſtand und beſteht, ihr in die lieben, guten, ſüßen Augen zu blicken.— O Engenie, mein Weib, hätte ich denken können, daß jener Traum in Erfüllung gehen werde!“
„Ich danke dir für die allerliebſte Geſchichte,“ verſetzte die junge Gräfin nach einer Pauſe.„Aber ich bitte Seine Erlaucht jetzt dringend, ſich ruhig zu verhalten, denn der Weg iſt hier ſehr ſchmal, und bei der geringſten Unvorſichtig⸗ keit liegen wir beide in dem vielfach geprieſenen See.— Alſo Ruhe, Herr Graf.“
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