314 Vierundſechzigſtes Kapitel.
„Wie geht's, Joſeph?— immer wohl geweſen?“
„Danke, Erlaucht, ja, ja, freuen uns Alle auf den heu⸗ tigen Tag; hatte ſehr gehofft—“
„Hm! hm!“ machte einer der Bedienten, der hinter dem Kutſcher ſtand, wobei er ihn freundſchaftlich in die Rippen ſtieß.
Der alte Herr folgte nun mit Eugenien, und wir müſſen ſchon geſtehen, daß die ſämmtliche, hier verſammelte Diener⸗ ſchaft mit noch größerem Intereſſe auf ihre neue Herrin blickte, als ſie vorhin den Grafen betrachtete.
Der Baron und die Baronin beſtiegen den Reiſewagen; ehe der Kutſcher aber davon fuhr, wandte er ſich um und ſagte mißmuthig zu den Bedienten:„Wir haben da droben verabredet, daß, wenn die Herrſchaft im Wagen iſt, einer von euch ſchon von weitem mit einem weißen Tuch winken ſoll. Das unterbleibt nun natürlicher Weiſe— verſtanden?“
Da keine Widerrede erfolgte, nahm der Kutſcher ſeine Zügel kunſtgerecht zuſammen, ließ einen leichten Zungenſchlag hören und dahin rollte der Wagen auf dem weichen Wald⸗ wege mit dumpfem Geräuſch; ein paar Sekunden lang galop⸗ pirte jedes der vier ungeduldigen Thiere, bis ihnen der ver⸗ drießliche Kutſcher auf ſeine Weiſe zu verſtehen gab, was ſich für ein wohlgeſittetes herrſchaftliches Pferd gezieme.
Einige Minuten nachher folgte der leichte Phaeton mit zwei ſehr raſchen, aber vertrauten Pferden aus dem Stalle des Grafen beſpannt, weßhalb dieſer nach dem Einſteigen lächelnd die Zügel der Gräfin reichte und ihr ſagte:
„Liebe Eugenie, du mußt mir ſchon den Gefallen thun, wenigſtens eine Zeit lang den Wagen zu führen, erſtens kenne ich deine Liebhaberei, und dann will ich dir auch geſtehen,


