Zwei Jahre ſpäter. 311
„Richtig! Je näher es gegen Mittag kam, um ſo kürzer be⸗ ſtimmte ſie den Weg, den ſie euch entgegen gehen wolle, nicht aus Mangel an Freude— nun, das denkſt du auch nicht, Eugenie, aber weil ſie ſich vor einer heftigen Aufregung fürchtete. Nun alſo, vor einer Stunde noch, da wollten wir euch bei der Brücke empfangen, dann unten am Hofe— aber wie ich vor kurzem oben am Fenſter ſtehend das Rollen des Wagens und das Klatſchen der Peitſche vernahm, da trieb ſie mich allein hinunter. Ich wette, ſie ſitzt droben in ihrem Stuhle und weint, aber aus purer Freude,“ ſetzte er mit glückſeligem Blick hinzu;„wie könnte das auch anders ſein!“
Eugenie flog die wohlbekannte Treppe hinan; oben aber mäßigte ſie tief athemholend ihren Schritt und trat leiſe in die Thüre des Boudoirs ihrer Mutter, wo ſie dieſelbe wirk⸗ lich auf ihrem Fauteuil ſitzen ſah.
„Mama, ich bin wieder hier.“
Nach dieſen Worten ſank ſie vor der Mutter auf den Boden nieder und drückte einen Augenblick ihr Geſicht in deren beide Hände, aber nur einen Augenblick, dann hob ſie ihr Haupt empor, blickte ihre Mutter durch die herabſtürzen⸗ den Thränen lächelnd an und ſagte:——
„—— Mama, ich bin ſehr—— ſehr glücklich.“
Dieſe paar Worte ſchienen mit belebender Kraft auf die Baronin zu wirken, denn ſie erhob ſich plötzlich, umſchlang heftig ihr Kind mit beiden Armen, küßte ſie auf die Stirn, auf die Augen, auf das Haar und rief zu wiederholten Malen aus:
„Gott ſei gelobt! ſo viel Segen habe ich nicht erwartet.“
Graf Helfenberg, der dieſe Scene nicht ſtören wollte, that dem alten Herrn den Willen, ſich in ein Zimmer zu ebe⸗ ner Erde nöthigen zu laſſen, wo dieſer mit leuchtenden
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