20 Einundfünfzigſtes Kapitel.
1 Mädchens geworfen, welcher ſie anders ſein ließ, als ſie viel⸗
8 leicht ſonſt draußen im Walde, in der Hütte des Jägers Klaus,
V geweſen wäre. Auch betrachtete ſie den Neffen, ſobald ſie ſich
fragend an die Großmutter wandte, wenn auch flüchtig, doch
ſehr genau, und glaubte ſogar, in ſeiner Art zu ſprechen, in
ſeinen Bewegungen, ja, in der einfachen und doch wieder ge⸗
wählten Kleidung manches zu entdecken, was nicht zu ſeinem
Stande zu paſſen ſchien; beſonders fielen ihr ſeine Hände auf;
da er als einfacher Jägerburſche keine Handſchuhe trug, ſo
konnte Eugenie ſeine Rechte, in der er den überaus feinen
Caſtorhut hielt, gar deutlich ſehen. Es waren zierliche weiße
Finger, und wenn man den Umſtand, daß deren Farbe nicht
ſo war, wie die der gewöhnlichen Jäger und Waldſchützen,
vielleicht auch auf ſein langes Krankſein, ſowie die hiedurch
bedingte Unthätigkeit ſchreiben konnte, ſo war doch die Form 8 derſelben ſo fein, wie man ſie bei Leuten, die an harte Arbeit gewohnt ſind, nicht leicht ſieht. Auch einen ſchmalen goldenen Reif bemerkte man am kleinen Finger der rechten Hand, was an ſich vielleicht nicht verdächtig war; doch als er ſich während des Sprechens umwandte und ſich zufällig ſo drehte, daß ein Sonnenblick, der ins Zimmer ſpielte, das Innere ſeiner Hand berührte, blitzte es dort plötzlich auf, nur eine Sekunde lang, in buntfarbigen, ziemlich verdächtigen Strahlen.
b Der Neffe des Jägers wagte nach ſeiner erſten, viel zu langen Rede nur einige Worte an die junge Dame zu rich⸗ ten; dagegen munterte ſein Blick die alte Frau auf, Eugenie mehr ins Geſpräch zu ziehen, und als dies geſchah, zog er ſich ehrerbietig ans Fenſter zurück, um beſcheiden zuzuhorchen, in Wahrheit aber, um ſie ungeſtört betrachten zu können; er


