Ein Miethwagen. 21
fühlte ſich zufrieden, faſt glücklich in dieſem Augenblicke. Er dachte an den vergangenen Herbſt, wo er ſo tief und innig in dieſes wunderbar liebliche und gute Geſicht geſehen, wo er mit namenloſem Schmerze gefühlt, wie allein dieſes Mädchen im Stande ſei, ihn glücklich zu machen, wenn es überhaupt für ihn noch ein Glück auf der Welt gab. Ach! er dachte ſchaudernd an jene Zeit, wo er, ein armer Schiffbrüchiger, in Sturm und Nacht gehüllt, auf den ſchäumenden Wogen des Meeres allein ſchwamm, angeklammert an ein zerbröckelndes Wrack, unter ſich den gewiſſen Tod, über ſich den mit ſchwar⸗ zen Wolken bedeckten Himmel. Und dabei dachte er auch, wie er ſchon im Begriffe war, ermattet die Hände ſinken zu laſſen, um hinabzuſtürzen in einen entſetzlichen Abgrund, als mit einem Male am umnachteten Horizont jener klare, mildglän⸗ zende Stern emporſtieg, jener Stern, der, nachdem er ihn eine Zeit lang traurig betrachtet, ihm endlich Muth und Hoffnung einflößte, deſſen Strahlen ihm die Augen zu öffnen ſchienen und ihn endlich das längſt verloren geglaubte Land wieder erblicken ließen.
Dann nach manchem Ringen und Kämpfen hatte er den feſten Boden aufs Neue betreten, das Leben lächelte ihn wieder an; die finſtere Nacht war gewichen, die Wolken hatten ſich zertheilt, ein junger freundlicher Tag ſtieg rings um ihn em⸗ por, aber mit ſeinem Lichte war auch der milde, traulich blinkende Stern verſchwunden; er hatte ſich in die Sonne verwandelt, in die ſtrahlende, vornehme Sonne, die jetzt vor ihm aufgegangen war und deren Feuer ſein Herz verzehrte, wenn er es jetzt wagte, ſie in ihrem Glanze anzublicken. O dieſe Sonne, wie ſie ſo ſchön war! zu ſchön, zu reich für ihn! Seine Sonne— Eugenie! Wie konnte dieſes ſo herrliche


