16 Einundfünfzigſtes Kapitel.
umgehen, der das Glück gehabt hat, Sie, gnädiges Fräulein, ein paar Mal draußen zu ſehen, und der behauptet, das allein ſei ſchuld daran geweſen, daß er einen leidlichen Winter verlebt.“
Während ſie das ſagte, hatte die Großmutter ihre ſcharfen Blicke etwas gedämpft, indem ſie ihre Augenlider ein wenig herabſinken ließ, dabei aber das junge Mädchen forſchend be⸗ trachtete, auf deren Zügen ſich bei der Erwähnung des Neffen des Jägers eine ganz leichte Röthe zeigte, während ſie aber dabei gänzlich unbefangen den Blick der alten Frau erwiderte. Der Gedanke, daß ſie bereits um den Beſuch wiſſe, welcher der Großmutter ſo ganz unerwartet zu kommen ſchien, war es, was das Blut in ihre Wangen trieb.
„Ach ja, ich erinnere mich des Mannes,“ ſagte Eu⸗ genie nach einem augenblicklichen Stillſchweigen.„Als ich ihn ſah, war er recht krank, und ich glaubte faſt ſeinen traurigen Worten, als er von einem baldigen Tode ſprach. Er that mir recht ſehr leid; ich hatte herzliches Mitleiden mit ihm.— Alſo es iſt ihm im vergangenen Winter beſſer er⸗ gangen?“
„Er hat ſich faſt wunderbar verändert,“ antwortete die alte Frau, nicht ohne Beziehung.„Aber nicht wahr, ich will ihn abweiſen?“
„Die Großmutter verſchließt mir ihre Thür?“ hörte man jetzt draußen eine Stimme halb ernſthaft, halb launig ſagen. „Das iſt recht hart, und ich werde jetzt gar nicht wieder kom⸗ men dürfen.“
Eugenie ſchrak faſt beim Tone dieſer Stimme zuſammen; es war allerdings die des Neffen des Jägers, aber der Klang war doch wieder ganz anders. Sie richtete ihren Blick auf


