Ein Miethwagen. 15
„Dann gleicht meine Mutter ihr nicht ſehr,“ erwiderte Eugenie.„Sie iſt nicht lebhaft; ſie iſt kränklich und klagt häufig, und wenn man ſie betrachtet, ſo muß Jeder ſehen, daß ſie mit ihren Klagen nicht Unrecht hat. Meine arme Mutter leidet zuweilen und ſieht meiſt recht bleich und fati⸗ guirt aus.“
„Ihr Charakter war auch eigentlich nie wie der der hochſeligen Gräfin; wohl war die Gräfin Henriette lebhaft, konnte auch mit Energie einen Entſchluß faſſen, aber ſie war ſo— gut und weich, daß ſie ſich zuweilen überreden ließ, Anderen gefällig zu ſein. Es lag das ſchon in ihrem Blicke, ſie hat, wie ich ſchon vorhin bemerkte, nicht die Augen der Gräfin Eller; das waren leuchtende, eigenthüm⸗ liche Augen, und man ſah aus ihnen, daß die Dame, der ſie angehörten, ſich nie dazu bewegen laſſen würde, einen einmal gefaßten Entſchluß zu ändern. Gewiß, gnädiges Fräulein, Sie haben denſelben Blick, Sie haben ſehr viel auch in Ihrem übrigen Weſen von Ihrer hochſeligen Frau Großmutter.“
Indem die alte Frau ſo ſprach, wurde leiſe angeklopft, worauf ſich ihr Auge etwas verfinſterte und ſie forſchend nach der Thür ſchaute. Eugenie ſah fragend empor.
„Das iſt Niemand von den Meinigen,“ ſagte die Groß⸗ mutter;„ſie würden es nicht wagen, mich in dieſem Augenblicke zu ſtören. Das kann nur ein thörichter junger Menſch ſein, den wir aber abweiſen wollen.— Wahrſcheinlich der Neffe des Jägers Klaus,“ ſetzte ſie nach einer Pauſe hinzu, als ſie bemerkte, wie die glänzenden Augen der jungen Dame forſchend auf ihr ruhten.„Er kommt zuweilen hieher,“ meinte ſie achſel⸗ zuckend;„ein armer Kranker, mit dem wir alle ſehr ſchonend


