Ein Miethwagen. 13
So aber kann ich Ihnen nur mein herzliches Bedauern aus⸗ ſprechen, daß es nicht anders iſt; und um Ihnen ſo wenig wie möglich Mühe zu machen, will ich mich recht dicht zu Ihnen hinſetzen.“
Klaus hatte eilig einen Stuhl herbeigerückt, auf den ſich Eugenie niederließ und dann eine der Hände der alten Frau ergriff und dieſelbe zwiſchen ihre beiden nahm. Das glän⸗ zende Auge der Großmutter ruhte nun eine Zeit lang feſt auf den lieblichen Zügen der jungen Dame, und dann ſagte ſie:„Sie müſſen mir ſchon verzeihen, daß ich Sie auf⸗ merkſam betrachte; es iſt das gerade ſo, als leſe ich in einem Gedenkbuche und finde da zwiſchen allerlei Blättern das Bild einer Roſenknoſpe, die mir eine glückliche, ach! ſo ſehr glück⸗ liche Zeit ins Gedächtniß zurückruft.— Wenn ich Sie aber länger anſehe, ſo verſchwindet für mich die Aehnlichkeit, welche Sie, gnädiges Fräulein, wie man im erſten Momente meint, mit Ihrer Frau Mutter haben, und aus Ihrem Auge, namentlich aus dem Blick, aus Ihrem Munde, ja, aus dem ganzen Schnitte ihres Geſichtes tritt mir ſo lebhaft das Bild dern Frau Großmutter entgegen, daß ich es Ihnen gar nicht ſagen kann.“
„Das meint mein Vater auch; er ſagt, ich gleiche ſehr meiner Großmutter.“
„Der gute Herr Baron!“ ſprach die Kammerfrau.„Es geht ihm wohl, wie ich höre?— Und auch der gnädigen Frau Baronin?“ ſetzte ſie nachdenkend hinzu,„wonach ich mich eigentlich zuerſt hätte erkundigen ſollen.“
„Vater und Mutter geht es wohl,“ antwortete Eugenie. „Sie werden wahrſcheinlich wiſſen, daß ſie draußen wohnen. Mein Vater kommt eigentlich nie in die Stadt, meine Mutter


