Einundfüufzigſtes Kapitel.
Der finſtere, ſchweigſame und nachdenkende Mann ſchritt aufs Gerathewohl in eine der Gaſſen hinein, welche auf den Blumenmarkt mündeten, und erhob dann den Blick, um die Häuſer rechts und links zu muſtern, welches von ihnen für ſeine Phantaſieen am paſſendſten erſcheine. Die aber waren faſt alle gleich alt, gleich trübe, man hätte ſagen können: gleich hinfällig; denn oben neigten ſich die ſchwarzen Giebel mit den vielen Fenſtern ſo gegen einander, daß man nur ein ſchmales Stück des tiefblauen Himmels bemerken konnte, einen kleinen unbedeutenden Streifen, zu wenig für Jemand, deſſen Herz betrübt iſt, um ihn heiterer zu ſtimmen, gerade genug, um ihm zu ſagen, daß es über und neben ihm klare Luft und Sonnenſchein genug gebe, daß ihn aber ein trübes Ge⸗ ſchick davon abſperre. Der Baron, im höchſten Stadium der Selbſtquälerei, gefiel ſich darin, ein Haus ſich auszuſuchen, in dieſem ein paar geheimnißvoll verhängte Fenſter, und ließ nun die trübſten und wildeſten Phantaſieen mit einer wahren Luſt über ſich hereinbrechen.
Als wahrheitsliebender Erzähler können wir dem geneig⸗ ten Leſer nicht verſchweigen, daß Eugenie wirklich in dem verſchloſſenen Wagen geweſen war; glücklicher Weiſe aber für ihre Ruhe hatte ſie den Onkel George nicht bemerkt, ſo nahe er auch neben der Caleſche geſtanden; hatte ſie doch erſt nach langer Ueberlegung darein gewilligt, die alte Kammer⸗. frau ihrer Großmutter zu beſuchen, die ſich ſo ſehr nach ihr geſehnt und die ihr das durch den Jäger Klaus ſo oft hatte ſagen laſſen. Sie hatte lange geſchwankt, ob ſie Onkel George oder die Tante davon in Kenntniß ſetzen ſolle; doch hatte ſie Eines davon abgehalten, und dieſes Eine war es auch, was, wenn ſie daran dachte, wie ein leiſer Vorwurf in ihr


