Ein Miethwagen. 5
„Nun, ut, du wirſt deinen Thaler erhalten, doch ſage mir, an wllches Haus führteſt du dieſe Dame?“
„Das kann ich wahrhaftig nicht ſagen,“ meinte der Kutſcher. „Dort unten am Blumenmarkte ließ ſie mich halten; wo ſie von da hin ging, weiß ich nicht.“
„Die Dame war groß und ſchlank?“ forſchte der Baron weiter.
„Ja, ſo ziemlich.“
„Sie hatte ein blaues Kleid und einen grauen Mantel?“
Der Kutſcher nickte mit dem Kopfe.
„Ihr Geſicht?“
„Ja, von dem kann ich nichts ſagen,“ unterbrach haſtig der Andere den Frager;„ſie trug einen dichten dunkelgrünen Schleier.“
Einen dunkelgrünen Schleier! dachte der Baron. Einen ſolchen habe ich bei Eugenie nie geſehen. Auch bin ich ſicher, daß ſie gar keinen Schleier trug, als ſie heute das Haus ver⸗ ließ.— Ihm kam ein anderer Gedanke.„Was bezahlte ſie dir für deine Fahrt?“ fragte er.
„O, etwas über die Taxe,“ meinte der Kutſcher, indem er ſich wie über die vielen Fragen verdrießlich auf ſeinem Sitze hin und her wiegte.
„Du haſt deinen Thaler verdient; hier iſt er. Wenn du aber noch einen dazu haben willſt, ſo haſt du mir nicht nur zu ſagen, was die Dame dir gegeben, ſondern auch das Geld⸗ ſtück zu zeigen, womit ſie dich bezahlt.“
Der Kutſcher ließ das Erhaltene in ſeine Taſche gleiten und dachte: Zwei Thaler verdiene ich für meinen Herrn in einem halben Tage, wenn ich viel Glück habe; von denen aber, die ich hier erhalten kann, weiß er nichts; die ſind für mich.


