276 Fünfzigſtes Kapitel.
Das iſt ein eigenes Gefühl, ſprach er zu ſich ſelber und verſuchte zu lächeln. Ah, dumme Träumereien! Eugenie wird nach einer Stunde, oder noch früher, dort gerade ſo wieder in den Hof treten, wie ſie ihn verlaſſen hat.— Und doch, ſollten meine finſteren Gedanken von ſo eben eine Be⸗ deutung haben? Obgleich ich dieſen Augenblick gewiß nicht vergeſſen werde, will ich mir doch ein Zeichen machen, das ihn mir noch lebhafter zurückrufen ſoll.
Bei dieſen Worten brach der Baron die Roſenknoſpe ab, über welche Eugenie vorher mit der Hand geſtreift, und legte ſie in ſein Taſchentuch.—„Kleine Blumenleiche,“ murmelte er,„ſollteſt du mir doch etwas Fürchterliches erzählen, wenn ich dich wiederſehe?—— Hinaus, hinaus! ich muß ins Freie!“
Damit ſchritt er eilig durch den Wintergarten in das Haus zurück, wogegen Andreas, ſobald ihm der Herr aus dem Geſichtskreis entſchwunden war, deſſen Stelle an der Thür des Wintergartens einnahm. Er verhalf ſich mit großer Um⸗ ſtändlichkeit zu einer Priſe, rieb darauf die Achſel an der eiſernen Einfaſſung der Thür und lächelte vergnügt in ſich hinein.
Das macht ſich, ſprach er alsdann zu ſich ſelber; das macht ſich; ich ſehe es deutlich, obgleich ich nur meine Kübel begieße und die Blumen aufbinde. Den Teufel auch! ſolche Geſchichten führen nie zu einem guten Ende; ich hätte es der gnädigen Frau damals ſchon prophezeihen können, ehe ſie noch gnädige Frau war, und wo ich mit der einzigen Beſchäf⸗ tigung, ihre zwölf Blumenſcherben in Ordnung zu halten, ein Leben hatte wie Gott in Frankreich, wenn mich nicht der Reſpekt daran gehindert hätte. Der verdammte Reſpekt!


