266 Fünfzigſtes Kapitel.
anfängſt, dieſes Kapitel zu leſen, und dabei den Gedanken hegſt, es nehme dir einen Theil deiner koſtbaren Zeit und gehöre doch eigentlich nicht zu der Geſchichte, die wir dir er⸗ zählen wollten. Auch wir ſind Selbſtquäler, ſehr Selbſtquä⸗ ler; doch gehört das nicht hieher; wir wollen vielleicht ein ander Mal darüber ſprechen.
Ja, Tauſende und aber Tauſende von uns haben ſich ſelbſt gequält von jener glückſeligen Zeit an, wo ſie noch in die Schule gingen, bis heute, wo, Gott mag es wiſſen, wel⸗ cher Grund ſie zu ihren Selbſtquälereien veranlaßt. Damals betrachteten wir das Röckchen unſeres Nachbars oder deſſen Tafel, ſein Federmeſſer, oder was es ſonſt war, fanden das alles viel ſchöner und fragten uns, ohne ihn gerade zu be⸗ neiden: Warum ſind meine Sachen nicht ſo neu oder reich? Daran ſchloß ſich eine ganze Kette von Selbſtquälereien, und ſteigerten ſich dieſe bis zum Unerträglichen, wenn wir, auf morgen ein ſtrenges Strafgericht vorherſehend, während des Abends und vor dem Einſchlafen Zahl und Geſchmack der Prügel mit einer ſehr lebhaften Knaben⸗Phantaſie uns aufs furchtbarſte vergegenwärtigten— Prügel, die vielleicht am anderen Tage gar nicht erſchienen. Oder wenn ſie, für die wir ſchon damals ſchwärmten, an uns vorüber ging, ohne uns eines Grußes zu würdigen, unſere Veilchen verſchmähte und dafür die Vergißmeinnicht jenes langen tölpelhaften Schlingels nahm, der mit uns in der gleichen Bank ſaß und beſtändig ein impertinentes Lächeln bereit hatte, wenn wir eine Frage nicht beantworten konnten, die ihm eine leichte war. O ſchreckliche Stunden, die darauf folgten, wo wir uns die Werth⸗ loſigkeit der eigenen Perſon mit ſo ſchrecklichen Farben auf feuchten Kiſſen vormalten, wo wir es uns erklären konnten,
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