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Selbſtquälereien. 265
er ſich ruhelos auf ſeinem Lager hin und her wirft, nicht eine Sekunde lang aus ſeinen herz⸗ und gemüth⸗zerfleiſchenden Krallen; iſt doch ſein Ohr auch zugleich das des Unglück⸗ lichen; ja, noch mehr, ſind doch ſeine Gedanken auch die des Anderen, und jeder, den er im Kopfe ſich ſelbſt zur Qual gebiert, macht den Kreislauf durch ſein aufgeregtes Gehirn, durch ſein erhitztes Blut, um wie ein immer neuer Keulenſchlag auf den armen Kopf zurück zu fallen. Und er kennt dabei keine Schonung; für alles, was andere Menſchen ihm gethan oder zu ihm geſagt, hat er die giftigſten Aus⸗ legungen; er bemerkt ſogleich die Schlange, die hinter jedem harmloſen Worte lauert; er fühlt, daß das Lächeln ſeines Nebenmenſchen nur Maske iſt, und ſieht als Fortſetzung eines freundlichen Grußes, eines lieblichen Lächelns von ſchönem Munde hämiſches Naſerümpfen, verächtliches Achſelzucken. Und wie ſieht und hört der Selbſtquäler! Sein Ohr reich meilenweit, und es iſt für ihn eine Kleinigkeit, um die Ecke zu ſchauen.
Nach dieſer unſerer Schilderung, die gewiß nicht über⸗ trieben iſt, ſollte man glauben oder wenigſtens hoffen, die Gattung der Selbſtquäler ſei wenig zahlreich. Aber dem iſt leider nicht ſo; die Selbſtquäler ſind ein zahlloſes, weitver⸗ zweigtes Geſchlecht, zu ihnen gehört mancher, der es ſich nicht einmal bewußt iſt, ſie finden ſich in jedem Alter, von jenen kleinen Geſchöpfen an, welche mit Stolz die erſten Höschen tragen, bis zu jenen verlebten Geſtalten, die ohne Stolz die letzten anziehen; dazu in jedem Stande, bei Arm und Reich, bei Vornehm und Gering. Glaube nicht, geliebter Leſer, daß du eine Ausnahme macheſt; auch du biſt Selbſtquäler, wiſſent⸗ lich oder unbewußt, vielleicht in dieſem Augenblicke, wenn du
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