Eine Leidenſchaft. 25
zu lange ein unabhängiges Junggeſellen⸗Leben geführt, um Ketten, wenn auch Roſenketten, zu tragen. Aber immerhin wäre es ein vernünftiger Gedanke, wenn er wirklich einen ſolchen hätte. Aber ich glaube nicht daran. Auch wäre es ſchwer, eine paſſende Partie für ihn zu finden.“
„Hat er viel Vermögen?“
„Er iſt, wie geſagt, nicht übermäßig reich, aber er wird ſo viel haben, daß er ſogar mit einer Frau, die ihm wenig oder nichts zubringt, anſtändig leben kann.“
„Nun, da hätten wir eine große Auswahl,“ ſprach die Baronin.—„Du haſt wahrhaftig Recht, George,“ unterbrach ſie ſich lachend,„daß ſo eine Partie zu arrangiren für jede Frau ein wahres Vergnügen iſt. Da wäre zum Beiſpiel eine der Töchter des Finanzminiſters; zu jung wären ſie nicht mehr für Fremont.“
„Nein, wahrhaftig, zu jung wären die nicht,“ verſetzte George kopfſchüttelnd,„und auch nicht zu hübſch. Mit dieſer Propoſition würdeſt du ihm wenig Vergnügen machen. Fre⸗ mont iſt in gewiſſer Beziehung ein Geſchäftsmann und ein Kenner, er würde ſich am Ende durch ein immenſes Vermö⸗ gen einnehmen laſſen; im anderen Falle müßte aber die, welche man ihm vorſchlägt, ein untadelhaft ſchönes Mädchen ſein.“
„Was meinſt du zu Fräulein von S.?“
„Die wäre nicht ſo unrecht, aber denke an die Wittwe⸗ Mutter, die müßte er nolens, volens mitheirathen, und das kann man dem guten Fremont wahrhaftig nicht zumuthen. Du mußt ſchon andere Candidaten vorſchlagen.— Ich glaube,“ fuhr er heiter fort,„daß dieſe Paſſion, Heirathen zu ſtiften, anſteckend iſt; ich fände mich am Ende auch darein. Bleibt es doch obendrein auch etwas Anerkennenswerthes, das


