☚
*
Baron Fremont. 19
Dame, die er ſo wenig kannte, den größten Theil des Be⸗ ſitzhums, worüber er disponiren konnte, zu hinterlaſſen?
Als er ſo dachte, betrachtete er anſcheinend mit großer Aufmerkſamkeit einen rieſenhaften Camelienbaum, den ihm George gezeigt und der, mit Hunderten roth geſchwellter Knospen bedeckt, faſt bis an das Dach des Glashauſes ſtieß; in Wahrheit aber ſchaute er bei den Zweigen vorbei auf Eu⸗ genie, die ſich an der anderen Seite befand, ihre Hände zu⸗ ſammengelegt hatte und mit dem Ausrufe:„Das iſt doch in der That wunderbar ſchön!“ das Geſicht erhob und, von ein⸗ zelnen Lichtern der durch die Blätter hereinbrechenden Sonne
übergoſſen, wie verklärt daſtand, wie eine himmliſche Er⸗
ſcheinung, wie ein Weſen aus einer anderen, glücklicheren, reineren und beſſeren Welt.
Bei dieſem Anblick beantwortete er ſich ſelbſt die Frage, mit der er ſich vorhin beſchäftigt, und ſprach zu ſich: Beim Himmel! wenn ich ein ſo trauriges Loos hätte, wie der arme
Graf Helfenberg, und dieſes Mädchen einmal ſo ſähe wie
jetzt, da würde ich ihr am Ende auch mein bischen Vermögen hinterlaſſen, um ihr eine ſorgenfreie Exiſtenz zu bereiten. Auch George von Breda hatte Eugenie einen Augenblick lächelnd betrachtet, und bei dieſem Lächeln erinnerte ſich Fre⸗ mont an die Vermuthungen Tondern's, die dieſer neulich bei Helfenberg ausgeſprochen.. Bah! ſprach er zu ſich ſelber, Tondern iſt ein exal⸗ tirter Menſch wie immer, ein Narr. Ich möchte ſeine Augen ſehen, wenn er ein ſo prachtvolles Mädchen im Hauſe hätte. Daß man die mit Wohlgefallen anblicken muß, verſteht ſich doch von ſelbſt, und daß da Einem das Herz warm wird, wenn man ſie anſchaut, nicht minder. Ja, wahrhaftig, ich
1
——


