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18 Achtunddreißigſtes Kapitel.
in ihrer Natürlichkeit, in ihrer kindlichen Freude über irgend ein Pflänzchen, zu welchem ſie ſich niederbeugte, über eine frühe Roſe, die ſie, Gott mochte wiſſen, zum wie vielten Male, mit der größten Bewunderung betrachtete und mit ihren friſchen Lippen faſt berührte, über das klare Waſſer des Springbrunnens, in das ſie leicht ihre weißen Finger tauchte, kurz, über alles, was ſie ſah und worauf ſie nur irgend die leuchtenden Blicke ihrer ſchönen glänzenden Augen warf. Und wie anmuthig und elaſtiſch ſchwebte ſie jetzt mit ihrer feinen und doch wieder ſo vollen Geſtalt vor den Beiden dahin; wie war Alles an dieſem wunderbaren Weſen ſo voll Sym⸗ metrie! Welch ein Duft der Friſche, Lieblichkeit und Unſchuld
lag um ihre Geſtalt, glänzte von ihren Lippen, aus ihren
Augen, aus ihrem vollen dunklen Haare!
Als Baron Fremont ſie ſo betrachtete, ſich innig über ihr Weſen freute und dabei dachte, warum er eigentlich am heu⸗ tigen Morgen den Beſuch gemacht, da begriff er nicht, wie ihm früher alle dieſe Vorzüge, die ganze Lieblichkeit des jun⸗ gen Mädchens entgangen waren. Wahrhaftig, es verurſachte ihm ein gewiſſes bitteres Gefühl, wenn er an ſeine Verhand⸗ lungen mit Tondern dachte und ſich jenes Teſtamentes er⸗ innerte, durch welches er ſich erſt veranlaßt geſehen hatte, ſich Eugenien zu nähern. Er ſchämte ſich faſt bei dieſem Ge⸗ danken, und zuweilen ſtieg, wenn auch ſehr leiſe, der Wunſch in ihm auf, er möchte lieber gar keine Kenntniß haben von dem Vermächtniſſe des Grafen.— Und gleich darauf machte ihm eben das Vermächtniß wieder zu ſchaffen, ja, er konnte ſich nicht verhehlen, daß er eine kleine eiferſüchtige Regung fühlte. Was konnte Helfenberg veranlaßt haben, einer jungen


