Ecarté und Orangenblüthen. 287
Höhe und ſagte lächelnd:„Warte, kleine Diebin! du haſt Blüthen abgebrochen. Leugnen hilft da nichts, meine gute Eugenie, ich rieche den Duft der Orangen hier an deinen Fingern.“
Und dabei brachte der Baron ihre Hände nahe genug an ſeine Lippen, daß er den Duft hätte bemerken können, ſo nah, daß das junge Mädchen den Hauch ſeines Mundes empfand.
Es durchzuckte Eugenie in dieſem Momente ſeltſam wie nie; ſie fühlte ihr Herz zuſammengepreßt, ja, es war ihr, als müßten ihr Thränen in die Augen ſchießen; ihre Bruſt hob ſich ſchneller und tiefer athmend, und ein Lächeln flog über ihre Züge. Dabei war es ihr, als wehe plötzlich ein kalter Wind über ſie hin, denn ſie ſchauderte leicht zuſam⸗ men und mußte unwillkürlich ihre beiden Hände zudrücken, um ſich zu halten, denn bei alle dem war es ihr einen Augenblick zu Muth, als bewegten ſich die Steinplatten zu ihren Füßen auf und nieder.
Alle dieſe Gefühle dauerten freilich nicht länger als höchſtens ein paar Sekunden, aber es war ihr, als ſei eine lange, lange Zeit darüber hingegangen. Und als ſie nun nach einem tiefen Athemzuge wieder frei um ſich blickte, da wun⸗ derte ſie ſich, daß Onkel George noch vor ihr ſtand und noch immer ihre Hände in den ſeinigen hielt. Sie ſchaute zu ihm auf und fand einen ſeltſamen Ausdruck in ſeinen Blicken; ſie ſprachen, mit ihr, es war, als wollten ſie ihr etwas mittheilen, und doch verſtand ſie nichts davon; alles, was ſie begriff und klar in ſich fühlte, war der Gedanke, wie gut es ſei, daß die Sprache der Augen ſich durch Worte nicht verſtändlich machen


