286 Siebenunddreißigſtes Kapitel.
Breda erſchienen und blickte mit unverkennbarer Freude dem ſchönen Mädchen entgegen, das ſich ihm raſch näherte, wo⸗ bei ſie das glänzende Auge fröhlich und leuchtend auf ihn⸗ heftete. 1
„Ah, Onkel George!“ ſagte ſie,„du warſt früh aus. Tante und ich haben dich lange erwartet.“
„Ich hatte ein Geſchäft in der Stadt; aber du ſiehſt, wie pünktlich ich bin. Es muß gleich elf Uhr ſchlagen, die Zeit unſeres Frühſtücks, worauf ich auch nicht eine Minute möchte warten laſſen.“
Er beugte ſich bei dieſen Worten etwas vorüber, als wollte er Eugenien näher kommen, ohne ihr jedoch einen Schritt entgegen zu gehen, was auch kaum thunlich geweſen wäre: denn mit leichtem, elaſtiſchem Tritt ſprang ſie nun die Treppen hinauf, reichte dem Baron beide Hände hin und ſagte mit einem recht innigen Tone:„Guten Morgen, Onkel George! Haſt du gut geſchlafen?“
„Ja, liebe Eugenie, gut geſchlafen und ſüß geträumt.“
„Doch nicht von der ſchrecklichen Geſchichte,“ entgegnete ſie lachend,„die uns Tante geſtern Abends vorgeleſen, von dem Phantom, das mich ſo erſchreckt?“
„Allerdings war auch etwas von einem Phantom dabei,“ gab er zur Antwort,„aber von keinem ſchrecklichen; es war ein ſchönes Phantom, ein liebes Geſpenſt, das mir erſchie⸗ nen iſt.“
Er hatte die beiden Hände des Mädchens ergriffen und als nun in dieſem Augenblicke Friedrich mit den Blüthen auf dem Teller an ihm vorüber ging und im Eßzimmer verſchwand, hob er dieſe beiden kleinen Hände, die ſo warm, ſo weich, ſo zutraulich in den ſeinigen lagen, leicht in die


