Ecarté und Orangenblüthen. 281
ſpitzte, ließ ihn aber gleich darauf wieder breit aus einander gehen, ſich wohl erinnernd, daß er nicht allein in dem Win— tergarten ſei. Wenn er nämlich durch die Sträucher ſchielte, ſo ſah er auf dem breiten Wege ganz genau Fräulein Eugenie ſtehen, welche ihre rechte Hand leicht auf die Zweige eines Citronenbaumes gelegt hatte und freundlich wie immer mit dem Jäger, Herrn Brenner, ſprach, der ſehr aufrecht in ehrer⸗ bietiger Haltung neben ihr ſtand.
Herr Brenner war in ſeiner kleinen Livree, dem grünen Jagdrock, leicht mit Silber beſetzt, und ſchaute bei Weitem ſtattlicher aus als neulich, wo wir ihn zu Hauſe geſehen, noch halb in ſeiner ſchweren Jägerkleidung ſteckend.
Wie das junge Mädchen daſtand mit der vollen und doch ſchlanken Geſtalt, ſo anmuthig an einen Baum gelehnt, hätte ſie ein wunderliebliches Bild gegeben; ſie hielt das edle ſchöne Geſicht etwas erhoben, ſo daß ein Strahl der Sonne durch die Blätter des Citronenbaumes hindurch leicht auf ihrem blühenden Teint ſpielte und dort eigenthümliche prachtvolle Lichter erzeugte. Sie trug ein einfaches dunkelblaues Kleid ohne irgend welche farbige Verzierung; ein kleiner weißer Kragen umſchloß ihren Hals, und das dicke dunkle Haar, leicht um ihre Schläfe gelegt, drängte ſich um den ganzen Kopf widerſpenſtig hervor und ſchien bei jeder Bewegung durch die eigene Schwere niederfallen zu wollen.
„Damals war ich noch ſehr klein, mein lieber Herr Bren⸗ ner,“ ſagte ſie mit ihrer angenehmen, hellklingenden Stimme.
„Klein gerade nicht, gnädiges Fräulein,“ antwortete der Jäger,„aber nicht ſo— vollkommen ausgewachſen.“ Er hatte eigentlich noch hinzuſetzen wollen: nicht ſo gut und liebenswür⸗ dig, beſann ſich aber noch zur rechten Zeit, daß ſich das doch


