280 Siebenunddreißigſtes Kapitel.
wirklich ein guter Gärtner ſei; auch kam ihm, wie vorhin ſchon angedeutet, die Jahreszeit zu Hülfe. Hatte doch die Sonne, wenn ſie jetzt am wolkenloſen Himmel ſchien, ſchon Kraft genug, die Räume des Glashauſes angenehm zu erwär⸗ men, und war im Stande, im Verein mit der Wärme der unterirdiſchen Heizungsröhren, den Pflanzen und Blumen einen Frühling vor zu zaubern, der in Wahrheit noch nicht ſo ganz nahe war. Schon ließen auch die dicken Knospen der Ca⸗ mellien die Farbenpracht ihrer Blumen ahnen, Crocus und Hyacinthen dagegen erfreuten bereits das Auge, in dichten Gruppen zuſammen ſtehend, leuchtend in Weiß, Violet, Roſa, Blau und einen ſüßen würzigen Duft ausſtrömend, der Ge⸗ danken und Träume in uns weckt von belaubten Wäldern, ſaftig grünen Wieſen, murmelndem Waſſer, Nachtigallenſchlag
und einem ganz wunderbaren Blüthenmeere. Dabei war es
hier in dem Glashauſe, als empfänden auch die anderen Bäume und Geſträuche, ja, ſogar das ſpringende Waſſer den Einfluß der milderen Jahreszeit; überall zeigte ſich ſchon fri⸗ ſches Laub, Orangen und Lorbeer trieben ſchon wie verſtohlen kleine, zierliche, hellgrüne Blättchen; die Granaten waren mit röthlichem Flor überzogen, und wo das friſche Waſſer aus den Baſſins auf die Mooſe und niederen Kräuter hinſpritzte, da zeigten dieſe jetzt ſchon eine leuchtend grüne Farbe, ſtatt daß ſie ſich im Winter bei ähnlicher Begegnung wie ſchaurig und froſtig zuſammenzogen.
Andreas war an ſeinen Kübeln beſchäftigt, wo er die Erde auflockerte, auch hier und da dürre Blätter entfernte, und hätte dieſe Geſchäfte, wie er ſonſt zu thun pflegte, gern mit dem Pfeifen irgend einer Melodie begleitet, machte auch zuweilen ſchon den Anfang dazu, indem er den Mund


