Nadelſtiche. 5
In einem ſolchen Falle, ſollte ich denken, müßte ein lediger Menſch doch Manches entbehren.“
„Mit einer tüchtigen Bedienung gewiß nicht, Herr Larioz,“ verſetzte eifrig der Rechtsconſulent.„Ich kann Sie verſichern, man iſt da in manchen Fällen beſſer verſehen, als mit einer ganzen Haushaltung, die um einen herumſchwirrt. Ich habe alles das erlebt; ich bin in Krankheiten von meinem Bedienten verpflegt worden und ſpäter von meiner Frau und Schwiegermutter. Glauben Sie mir, ich gebe in vielen, ſehr vielen Beziehungen einem guten Bedienten den Vorzug.“
Dabei tauchte er erſchrecklich tief in die Halsbinde hinab, und ſeine Augen waren kaum ſichtbar vor den zuſammen⸗ gezogenen Brauen; auch ſpielte etwas Melancholie um ſeine Naſenflügel.
„Aber die ſorgſame Pflege einer weiblichen Hand,“ ſagte faſt ſchwärmeriſch der lange Schreiber,„muß doch unendlich wohlthuend wirken auf unſer Gemüth und die Heilung be⸗ fördern.“
„O ja, die ſorgſame Pflege einer weiblichen Hand, wenn ſie von Sanftmuth und Nachgiebigkeit geleitet wird,“ antwortete der Rechtsconſulent.„Wiſſen Sie auch, mein lieber Herr Larioz, was bei Krankheiten eines der beſten Heilmittel iſt?— Gemüthsruhe. O, was die wohlthätig auf uns einwirkt, davon haben Sie gar keine Idee. Aber
es gibt,“ ſetzte er ſeufzend hinzu,„gewiſſe weibliche Hände,
unter denen einmal gar keine Gemüthsruhe gedeihen kann.
Ein weiblicher Dienſtbote, ein Bedienter läßt Ihnen Ihren
ſtillen Frieden und iſt bei Pünktlichkeit, die ich verlange, wie eine Uhr, wie eine Maſchine, was auch wieder für das
2


