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Nadelſtiche. 3
Lehnſtuhl nöthigen wollte, ſo ließ ſich doch derſelbe durchaus nicht dazu bewegen. Ihm ſchwebte dabei das Bild ſeiner guten Schwiegermutter vor Augen, und er dachte: Was würde ſie ſagen, wenn ſie zufällig erfahren ſollte— und bei Gott iſt Alles möglich— daß ich nicht nur gegen ihren Be⸗ fehl den Kranken beſucht, ſondern ſogar in deſſen durchwärm⸗ tem Stuhle Platz genommen? 3
Dabei dürfen wir dem geneigten Leſer mit einiger Be⸗ ſchämung nicht verſchweigen, daß Gottſchalk unten an der
Treppe aufgeſtellt worden war, um im Falle irgend ein zu⸗
dringlicher— Client erſcheinen ſollte, den Prinzipal im Augen⸗ blicke benachrichtigen zu können.
Wenn auch auf der Stirn deſſelben Wohlwollen für den Kranken, den er mit ſeinem Beſuche beehrte, zu leſen war, ſo ſchien ſich Herr Doktor Plager doch anderntheils wie ſo oft in einer etwas gedrückten Stimmung zu befinden; man ſah das an nicht zu mißkennenden Symptomen; er ſeufzte zuweilen ſtill in ſich hinein, ſpitzte auch häufig den Mund, während er die Augenbrauen finſter zuſammenzog, und verſenkte nicht ſelten ſein Kinn erſchreckend tief in die Hals⸗ binde.
„Freue mich recht ſehr,“ ſagte er nach einem augenblicklichen Stillſchweigen,„daß ich erfahre, Sie befänden ſich wieder auf dem Wege der Beſſerung. Aber Schonung, Schonung! Ein Reconvalescent muß ſich ſehr in Acht nehmen, daß er keinen Rückfall erleidet; Rückfälle ſind ſehr gefährlich.“— Dabei ſeufzte er abermals und fuhr dann fort:„Es hat auch gar keine Eile, daß Sie in den nächſten Tagen wieder aufs Bu⸗ reau kommen; wir haben eine ſtille Zeit, es iſt nicht beſon⸗ ders viel zu thun.“


