2 Vierundzwanzigſtes Kapitel.
Drohung war, und er hatte ſchon einmal den kannibaliſchen Gedanken gehabt, in ein Leintuch ſeines Schreibers gewickelt, im Zimmer erſcheinen zu wollen und zu ſprechen: Seht, das habe ich gethan, um meine werthe Schwiegermutter los zu werden.— Aber es wäre vergeblich geweſen.— Am aller— tollſten hatte ſich Clementine Weibel gegen einen Beſuch bei dem Schreiber ausgeſprochen und hatte ihren Schwager beſchworen, die Sache nicht leicht zu nehmen.„Wenigſtens vierzehn Tage lang,“ hatte ſie geſagt,„dürfte mir Herr Larioz, ſelbſt nach vollſtändiger Beſſerung, nicht das Zimmer verlaſſen und noch weniger ins Bureau kommen.“ Darin hatten Mutter und Schweſter, wie in allen Dingen, dem gefühlvollen Mädchen beigeſtimmt, das noch hinzuſetzte:„Wie mir unſer Arzt geſagt, ſind Rückfälle leicht möglich und am allergefähr⸗ lichſten.“
„Ja, Rückfälle ſind entſetzlich,“ hatte der Rechtsconſulent mit tiefem Seufzer zu ſich ſelbſt geſprochen. Und daß er nach alle dem ſeinen Gehülfen dennoch vor Ablauf der ihm als Friſt geſtellten vierzehn Tage beſuchte, ſollten wir faſt als Be⸗ weis ſeiner hochherzigen Geſinnung anführen.
Der Doktor verſchwand aus dem Krankenzimmer mit einer freundlichen Handbewegung, und der Rechtsconſulent Plager trat herein.
Als ſich die Beiden vor der Thür begegneten, fragte der Rechtsconſulent:„Keine Gefahr mehr, beſter Doktor?“¹
Worauf dieſer entgegnete:„Nicht die geringſte.“
Herr Larioz erhob ſich begreiflicherweiſe von ſeinem Stuhle, um dem Chef einige Schritte entgegen zu gehen.
Doch ſchritt dieſer mit wohlwollender Miene auf ihn zu, und obgleich der Schreiber den Rechtsconſulenten in ſeinen


