Don Quixrote und Tiger. 291
des Doktors vorhin nach den Erlebniſſen jenes Tages hatte ihm ſo recht wieder den Burgplatz mit allem, was er dort erlebt, vor die Seele gebracht. Wenn er auch während ſeiner Krankheit keinen Augenblick verſäumt hatte, des ſchönen und unglücklichen Mädchens zu gedenken, die ihn intereſſirt wie nie ein weibliches Weſen, ſo war doch das Unwohlſein ſchuld daran, daß er wie im Traum, wie in einer Betäubung ihrer gedachte, nicht mit der vollen Kraft ſeines ziemlich ſcharfen Verſtandes. Jetzt aber verſchwanden die Schleier, die ſeinen Geiſt gefangen hielten, und nach und nach tauchte alles, was er gehört und geſehen, wieder ſo klar, in ſo ſcharfen Umriſſen vor ſeinem Geiſte auf, wie man ferne Berge, durch einen wohlthätigen Regen von ihrem Dunſte befreit, nach einem ſchweren Gewitter zu ſehen pflegt. Dabei aber hütete er ſich wohl, den Doktor, den er als großen Spötter kannte, von ſeinen Erlebniſſen geradezu in Kenntniß zu ſetzen, traute ſich aber Feinheit genug zu, ihn um Einiges fragen zu können, ohne daß dieſer die Abſicht merke, warum dies geſchehe. Wenn er auch weit entfernt war, zu glauben, daß der Spruch des großen mauriſchen Weiſen zur Errettung jenes unglücklichen Mädchens beitragen könnte— denn wie wir bereits wiſſen, hielt er durchaus nichts auf Geſpenſter, Phantome oder Zau⸗ berer— ſo hatte er ſich doch ſchon unſägliche Mühe gegeben, dieſen Spruch wieder in ſein Gedächtniß zurückzurufen, was ihm aber durchaus nicht gelingen wollte; auch hatte er wohl dabei gedacht: vielleicht iſt es eine Formel, woran die wunderbar ſchöne Dame ihren Erretter zu erkennen im Stande iſt. Denn daß ſie mit dieſer Rettung irgendwie zuſammen hängen müſſe, daran zweifelte er eben ſo wenig, als daß die Brüderſchaft


