Don Quixote und TDiger. 289
weiß welchen kriegeriſchen Phantaſieen, das kann mir durch⸗ aus nicht angenehm ſein. Alſo in den Stuhl geſetzt! Laſſen Sie Ihren Puls fühlen.“
Der Schreiber ſtellte den Stoßdegen in die Ecke, nickte dem Doktor zu und entgegnete:„Wiede viel Lärmen um nichts!“ ließ ſich aber doch folgſam auf ſeinen Seſſel nieder und ſtreckte dem Armenarzt die dürre Hand entgegen.
Herr Doktor Flecker war im Schlafrock und gewöhnlich, wenn er zu Hauſe war, die lange Pfeife. Er griff
behutſam an den Puls des Patienten und ſchien mit ſeinen Beobachtungen zufrieden zu ſein. Auch das Ausſehen der Zunge 5 5 b
beftiedigt⸗ ihn, worauf er ſich einen Stuhl neben den Seſſel
es Herrn Larioz zog, ſich darauf niederließ und dann durch ein paar tüchtige Züge ſeine Pfeife wieder in Brand brachte
Der Spanier ſchnüffelte nach dem Dampfe und machte dabei ein ſo wohlgefälliges Geſicht, daß Herr Doktor Flecker ſagte: „Mir ſcheint, Sie hätten nicht übel Luſt, das auch einmal wieder zu verſuchen. Geniren Sie ſich gar nicht und ſtecken Sie eine Papiercigarre an, wenn es Ihnen nicht zuwider iſt.“
„Ich habe mich darauf gefreut,“ ſagte Don Larioz freund⸗ lich;„Sie kennen aber meine Folgfamkeit, und ich hätte um Alles in der Welt ohne Ihre Bewilligung nicht geraucht. Da
Sie aber nichts dawider haben, ſo will ich mit einer wahren
So geſchah es denn auch. Der Spanier drehte ſein Papiercigarre ſehr umſtändlich, ja, mit einer gewiſſen Feier lichkeit, zündete ſie langſam an, und als er ſich nun in den
G
eſſel zurücklehnte, einen langen Zug in ſich hineinſog und dann die Augen ſchloß, ſpielte ein außergewöhnliches Behagen auf ſeinem ſonſt ſo ernſten Geſichte.
Hackländer, Don Quixote. II. 19


