Don Quirote und Tiger. 281
ſchwarzes Haar, ihr Auge war größer und glänzender, doch hatte, wie er ſich erinnerte, ihr Blick etwas Starres; dagegen war der Teint für eine Südländerin faſt zu weiß und durch⸗ ſichtig geweſen, die Röthe ihrer Wangen beinahe zu ſcharf abgegränzt. Doch Alles wurde wieder gemildert durch die Lieblichkeit des feingeſchnittenen kleinen friſchen Mundes. Und wenn er dabei an die weißen Zähne dachte, ſo mußte er ſich geſtehen, nie in Wirklichkeit, nie auf Bildern, nie im Traume etwas Reizenderes geſehen zu haben. Dort das junge Mäd⸗ chen war auch ſchön, ihr Wuchs untadelhaft und elegant; aber wenn er ſie betrachtete, ſo empfand er nur ein ſanftes Wohl⸗ behagen, eine Zuneigung, welche ihm entſtanden zu ſein ſchien aus dem lieblichen Glanz ihres Auges, aus ihrem offenen,
ehrlichen Blicke, der Zeugniß ablegte für ihre Herzensgüte und Neinheit.
Der Anblick der Anderen aber hatte ihn wie mit dämo⸗ niſcher Gewalt gefaßt, es war ihm, als ſei er plötzlich einer leuchtenden Flamme zu nahe gekommen, als ſei von derſelben ſein Herz verſengt worden. Er dachte an die Spanierin mit einem glühenden Verlangen, das er bisher nicht gekannt und deſſen er ſich faſt ſchämte. Unmöglich war es ihm, ſich des leicht geöffneten Mundes mit den blendenden Zähnen zu erin⸗ nern, ohne ſich dabei einen innigen Kuß auf dieſe friſchen Lippen vorzuſtellen. Das glühende Auge konnnte er nimmer vergeſſen, es hatte ihn freilich etwas ſtarr angeblickt, aber welchen Ausdruck mußten dieſe Sterne annehmen, wenn ſie zum Beiſpiel bezeichnen wollten: O, Larioz, ich liebe dich mit der ganzen Gluth, die ja nur im glücklichen Spanien zu finden iſt!— Dieſe Augen hatten n ihm in den erſten Nächten ſeines Unwohlſeins viel zu ſchaffen gemacht; denn


