276 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
ſeine kurz geſchnittenen Haare in die Höhe, und als das beſtens geſchehen, legte er Bürſte und Spiegel neben ſich auf einen Stuhl und drehte ſeinen gekräuſelten Schnurrbart in die Höhe, wobei er häufig einen Blick auf das Bild warf, welches an der Wand über dem Kamine hing.
Es war um die Mittagsſtunde und der Tiger im Be⸗ griff, ein weißes Tuch über den alten Tiſch zu legen und die ſpärliche Mittagsmahlzeit aufzuſtellen, welche die alte Magd in einem Korbe gebracht hatte, und die während der Krankheit des Schreibers von dem Tiger und dem kleinen Gottſchalk zu gleichen Theilen verzehrt wurde; zu gleichen Theilen können wir eigentlich nicht ſagen, denn der Tiger, welcher ſich an dem großen Appetit des Knaben erfreute, ſchob dieſem die beſten Biſſen hin und begnügte ſich mit einem kleinen Theile der Gerichte und dem übrig gebliebenen Brode, vermittelſt deſſen
blieb.
Obgleich die Schreibſtube ſchon geſchloſſen war Rechtsconſulent dem Knaben gern erlaubte, manche ſonſt der Arbeit gewidmete Stunden bei dem Kranken zuzubringen, ſo war Gottſchalk doch noch nicht erſchienen, was den langen Schreiber endlich zu der Bemerkung veranlaßte, die er gegen den Tiger ausſprach: der Kleine bleibe heute ungewöhnlich lange aus.
„Ja, es hat ſchon zwölf Uhr geſchlagen,“ antwortete die alte Magd.„Aber es iſt auch ziemlich weit von hier bis zum Hauſe, wo die Eltern des Kleinen wohnen. Und dann iſt vielleicht auch die Suppe noch nicht fertig geweſen. Wiſſen


