Teil eines Werkes 
2. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Don Quixote und Tiger. 275

wo es ihm beinahe noch ſchlechter ergangen wäre als dem militäriſchen Zöglinge ſelbſt; auf der öffentlichen Promenade, wo er den Dienſtmägden wie ein langes Geſpenſt erſchien, das ſie mit eindringlichen Worten an ihre Pflichten erinnerte und ihnen bewies, wie unverantwortlich es ſei, leichtſinniger⸗ weiſe zuſammen zu ſprechen, und die ihnen anvertrauten Spröß⸗ linge während der Zeit der Gefahr auszuſetzen, unter die Räder der vorüberrollenden Wagen zu kommen! Er konnte es nun einmal nicht laſſen, ſo zu handeln, und wenn er als⸗ dann von den ungeziemendſten Ausdrücken begleitet, am Ende das Feld räumen mußte, ſo that er das ingrimmig, mit dem heißen Wunſche nach einem guten Pferde, einer tüchtigen Klinge, ſowie für andere Fälle nach einer tüchtigen Karbatſche, um damit zur Beſſerung der Menſchheit beizutragen, den Schuldigen zu beſtrafen, dem Leidenden Schutz zu gewähren. In ſolchen Augenblicken konnte er ſich vollkommen in die Ge⸗ fühle und die Lage ſeines großen Landsmannes von der Mancha hinein denken und begriff es ganz gut, welches Glück, welche Seligkeit jener ſinnreiche Junker darin fand, als irren⸗ der Ritter umherzuziehen, die Starken niederzuwerfen, den Schwachen beizuſtehen.

Auf Befehl des Doktors hatte Don Larioz ſchon ſeit ſechs Tagen das Zimmer gehütet; doch war ihm erlaubt wor⸗ den, ſein Bett zu verlaſſen, und ſo ſaß er denn in dem uns wohl bekannten Lehnſtuhle vor dem Ofen, angethan mit der Jacke von grauem Baumwollenſammt, ein rothes Tuch tur⸗ banartig um den Kopf gedreht, über ſeine Füße einen alten Pelz gebreitet, den wir aus dem Anfang unſerer Geſchichte zu kennen das Vergnügen haben. Der lange Mann hatte einen kleinen Spiegel in der Hand und ſtrich mit einer Bürſte