274 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
Herr Larioz mehr oder minder eingeweiht war, kamen zuwei⸗ len Dinge vor, die mit des Letzteren Geſinnungsart nicht im— mer harmonirten, und die hier und da wohl zu unangenehmen Erörterungen zwiſchen dem Rechtsconſulenten und ſeinem Ge⸗ hülfen Veranlaſſung gegeben hatten. Doktor Plager, der na⸗ türlicherweiſe ganz anders fühlte, konnte es nicht begreifen, wie man ſich weigern könne, für eine gut zahlende Partei einen ſchlechten Prozeß zu übernehmen, und hatte in ſolchen Fällen die größte Mühe, ſeinen Schreiber davon abzuhalten, daß er den Parteien erklärte: Laßt das Prozeſſiren ſein, ſeid geſcheidt und ſpart euer Geld. Und das war doch ſchon einige Mal zur Verzweiflung des Advokaten vorgekommen, wobei es mit⸗ unter in der Schreibſtube Scenen gab, die ſchon öfter beinahe zur Trennung der Beiden geführt hätten. Gewöhnlich aber lenkte Doktor Plager wieder ein, da es ihm doch darum zu tbun war, einen zuverläßigen Mann, wie Larioz, zu behalten.
Daß dieſer ſeinerſeits durch die drückenden Verhältniſſe, in denen er ſich befand, ein halbwegs begütigendes Wort ſeines Prinzipals bereitwillig entgegen nehmen mußte, ſtimmte ihn begreiflicherweiſe nicht milder gegen das hinterliſtige und trug⸗ volle Treiben eines leider ſo großen Theiles der Menſchheit und veranlaßte ihn dann noch mehr, ſich außerhalb ſeines Geſchäftes um Sachen zu bekümmern, die ihn durchaus nichts angingen. Wie oft hatte er ſich bei ſolchen Veranlaſſungen auf der Straße oder an öffentlichen Orten einer, wie er glaubte, unſchuldigen oder unterdrückten Partei angenommen, zum Beiſpiel im Wirthshauſe eines vielleicht nachläßigen Kell⸗ ners, der von einem erzürnten Gaſte mit Schimpfreden bedient wurde, und war vom Letzteren dafür nicht glimpflicher behan⸗ delt worden; auf dem Exercirplatze eines geknufften Rekruten,


