270 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
„Da hatte ich freilich einen anderen Beweggrund als hier,“ fuhr der junge Mann fort.„Sie wiſſen, daß ich Sie gern wieder einmal geſehen und geſprochen hätte. Soll Graf Hel⸗ fenberg kommen, der ja nie aus ſeinem Hauſe geht,“ ſetzte er finſter hinzu,„und den Leuten unnöthiges Gerede geben?“
„Das ſehe ich ein, aber warum dort im Walde?“
„O, das iſt noch viel klarer,“ lachte bitter der Graf. „Sollte Graf Helfenberg, von dem Fräulein Eugenie vielleicht gehört, er ſei ein luſtiger, wilder Menſch, ein toller Reiter und Jäger, nun auf einmal vor ihr erſcheinen ſchwach, elend, krüppelhaft, wie er es wirklich iſt?— Nein, ich ſchämte mich vor meinem Namen. Das iſt ja auch der Grund,“ ſagte er, nachdem er einen Moment die Lippen feſt zuſammen gebiſſen, „warum ich mich vor der ganzen Welt in meinem Hauſe halte. Mag man ſprechen über mi as man will, mag man meinen Zuſtand noch ſchlimmer ſchildern, als er iſt — ich, wie ich war, mag nicht vor den Leuten erſcheinen, wie ich bin.“
Bei dieſen Worten war er aufgeſtanden und an das kleine Fenſter getreten, wo er die Stirn an die kalten Scheiben legte und tief und ſchmerzlich aufſeufzte.
Die Großmutter blickte ihm nach, ſchüttelte leiſe mit dem Kopfe und bedeckte ihr Auge leicht mit der Hand. Es war ein paar Sekunden lang ſo ſtill in dem Zimmer, daß man deutlich eine Stimme vernahm, die auf dem Gange ſprach und in fröhlichem Tone ſagte:„Aber Judica— Margarethe, das muß ich mir ausbitten, daß nicht die Idee von Gewürz in die Suppe kommt; reiner Gerſtenſchleim, höchſtens mit ein bischen Salz. Sie werden mir zugeben, daß ich das


