268 Zweinndzwanzigſtes Kapitel.
ſterung. Doch hätte das nicht viel zu bedeuten,“ ſetzte ſie lächelnd hinzu,„da ſie, wie geſagt, ſehr ſchön ſein ſoll und freundlich gegen die Dienerſchaft. Aber auch die Kammerfrau der Baronin von Braachen beſucht mich hier und da, und daß die nur Liebes und Lobenswerthes von dem jungen Mäd⸗ chen zu erzählen weiß, iſt mir ein viel gültigeres Zeugniß. Es würde mich in der That freuen, ſie noch einmal zu ſehen, aber das geht nicht an.“ 4
Während das die Großmutter ſagte, blickte der junge Mann ſie mit einer wahren Spannung an, auch wollte er haſtig etwas erwidern, doch ſchien er ſich eines Anderen zu beſinnen und ſagte nach einer Pauſe in ganz gleichgültigem Tone:„Warum ſoll das nicht angehen? Ich bin überzeugt, wenn Fräulein Eugenie nach dem, wie ſie ildert, nur eine Ahnung davon hätte, daß Sie 3n ehemaligen treuen Dienerin ihrer Großmutter, Vergnügen mit ihrem Beſuche machen könne, ſie würde augenblicklich kommen. Vielleicht ginge es ihr wie mir,“ ſetzte er lächelnd hinzu,„daß auch ſie ſich gern von der damaligen Zeit erzählen ließe, von Stromberg und der Gräfin Eller.“
Die Großmutter ſchüttelte mit dem Kopfe und blickte vor ſich nieder, worauf ſie ſprach:„Wenn das ganz von ſelbſt käme, ſo muß ich ſagen, es würde mich außerordentlich glück⸗ lich machen, Fräulein Eugenie zu ſehen. Aber eine junge Dame wie ſie, ſchön, gefeiert, der Welt lebend, wird ſich viel um eine alte Dienerin ihrer Großmutter beküämmern!— Doch Sie, Herr Graf, ſehen ſie wohl öfter?“ fragte die Frau raſch, wobei ſie ihr Geſicht dem jungen Manne ganz zuwandte.
„Ich?“ antwortete einigermaßen verlegen der angebliche Neffe des Jägers,„ich?— nein, ich ſehe ſie nicht häufig.


