In der Schreibſtube. 15
wurde— Gott allein weiß, zum wie vielſten Male— unter nachfolgenden Bedingungen geſchloſſen:
1) Gegenſeitige Bemühungen, ſich das Leben ſo angenehm
als möglich zu machen.
2) Mäßigung aller Widerſprüche.
3) Sehr beſchränkte Einmiſchung der Schwiegermutter in
alle häuslichen Angelegenheiten, dagegen
4) Beibehaltung von Babette, nachdem
5) dieſelbe um Verzeihung gebeten und
6) den Frack des Herrn Larioz mit eigener Hand von den
Flecken des Spülwaſſers geſäubert.
Nachdem dieſer Vertrag ratificirt war, gab es noch einen Händedruck, einen Kuß der Verſöhnung, und damit verließ Madame Plager die Schreibſtube, um ſich in einen Laden zu begeben und dort ein neues Kleid zu kaufen— eine Ausgabe, die zu machen ſie der Rechtsconſulent nicht nur autoriſirt, ſondern ſogar gebeten hatte.
Als dieſer hierauf in die Schreibſtube zurückkehrte, hatte er das Ausſehen eines Siegers und berichtete ſeinem Schreiber die gepflogenen Unterhandlungen mit dem Beiſatze, wie wahr es ſei, daß nur Standhaftigkeit zu allen gewünſchten Zielen führen könne.
So ſiegreich übrigens auch der Rechtsconſulent aus dem
Streite hervorgegangen war, ſo können wir es doch nicht ver⸗ hehlen, daß Gottſchalk den einzigen reellen Nutzen von der Stunde hatte, welche dieſe Unterhandlungen gedauert; er brauchte ſich während derſelben nicht mit dem verhaßten Schreiben abzugeben und ſaß vergnügt auf ſeiner Kiſte vor dem arbeitenden Tiger, von dem er ſich eine Menge inter⸗ eſſanter Stadtneuigkeiten erzählen ließ. Selbſt als er nun


