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In der Schreibſtube. 11
„Vorderhand nicht,“ verſetzte eifrig der Rechtsconſulent, während er feierlich die Hand erhob;„bei Gott, vorderhand 3 nicht! Ich will die Weiber da oben lehren, ſich in meine Geſchäftsſachen zu miſchen; ich will ihnen zeigen, ob ſie ſich im Geringſten darum zu kümmern haben, wer meine Ge⸗ hülfen ſind, ob es ſie etwas angeht, wenn dieſelben keine Familie haben, oder wenn ſie ein halbes Dutzend ſchöne Schwe⸗ ſtern aufweiſen können. Ja, das will ich, und wenn auch noch eine Anzahl Schwiegermütter mehr da wären.“ Er hatte ſich ſelbſt in den Eifer hineingeſprochen, die Hände auf dem Rücken zuſammengelegt und ging eilfertig auf und nieder, während er das eben. Angeführte ſprach. Der lange Schreiber gab übrigens nicht das geringſte Zeichen des Mißfallens oder Beifalls über das, was ſein 2 Prinzipal ſprach, zu erkennen; er hatte ſchon häufig derglei⸗ chen erlebt und dann leider faſt immer die Erfahrung ge⸗ macht, daß Madame Weibel oder ihre Tochter gegen ihn Recht behielten. „Das wäre mir eine ſchöne Geſchichte,“ fuhr Herr Doktor Plager fort, wobei er bald in ſeine Halsbinde niedertauchte, bald den Kopf hoch erhob, um, am Fenſter angekommen, den übernaſſen Hof betrachten zu können.—„Eine ſchöne Ge⸗ ſchichte in der That! Heute der Gottſchalk, morgen—“ „Meine geringe Perſönlichkeit,“ ſagte gleichmüthig lächelnd :1 der Schreiber. + 3„Bei Gott, Sie haben Recht, Larioz! Und übermorgen —— ich ſelbſt. Ja, ich ſelbſt,“ wiederholte der Rechtsconſulent zwei oder drei Mal und verfiel dann in Träumereien, die aber ſcheinbar dem ernſten und traurigen Augenblicke nicht an⸗
gemeſſen waren, denn er ſpitzte ſeinen Mund und lächelte 4


