Fünfzehntes Kapitel.
Thränenbächen an ihnen herunter, ſo daß es ausſah, als be⸗ weinten ſie ihr jammervolles Daſein.
„Das iſt doch ein wahres Hundewetter,“ ſagte der lange Schreiber, nachdem er einen Augenblick hinausgeſchaut.
Gottſchalk, der ſich durch einige ſehr kunſtloſe Sprünge, die er hinter dem Rücken ſeines Vorgeſetzten ausführte, zu er⸗ wärmen verſuchte, näherte ſich jetzt ebenfalls dem Fenſter und fragte mit einer etwas affektirten Schüchternheit:„Warum ſagt man eigentlich Hundewetter, wenn es ſo ſtürmt und regnet?“
„Das iſt doch ſehr einfach,“ entgegnete verdrießlich Herr Larioz;„weil ein Hund bei ſolchem Wetter nicht auf die Straße geht.“
„Da aber die Menſchen es doch thun,“ ſprach der Bube mit einem ſehr pfiffigen Geſichtsausdrucke,„ſo könnte man es ebenſo gut ein Menſchenwetter nennen.“
„Für manche Menſchen wäre es allerdings das gehörige Wetter,“ verſetzte finſter Herr Larioz und dachte dabei an den geſtrigen Abend und ſah im Geiſte Madame Weibel mit ihren beiden Töchtern auf einem der Kehrichthaufen wie auf einer verwünſchten Inſel ſtehen und umſonſt die Hände flehend nach Jemand ausſtrecken, der ſie von da erretten möge.
„Ja, einen Hund ſieht man bei ſolchem Wetter ſelten auf der Straße,“ fuhr Gottſchalk fort, ſichtlich erfreut, daß ihn ſein Vorgeſetzter nicht zur Ruhe und zum Schreiben verwieſen; „und wenn man je einen ſieht, ſo ſchleicht er an den Häuſern
hin und kriecht ins Trockene, ſobald er kann.“
„Darin haſt du wohl deine Studien gemacht?“ fragte
der lange Schreiber.
„Ich habe mich allerdings viel mit Hunden abgeben müſſen,“ meinte der Knabe;„denn der Vater hatte immer eine ganze


