2 Fünfzehntes Kapitel.
uns faſt dunſtig ins Geſicht weht, jenen Hauch, der uns, wenn
wir die Augen ſchließen, ſchwarze, aufgelockerte Erde vor unſere
Phantaſie zaubert, die erſten grünen Blätter, ziehende Schwal⸗
ben und die Spitzen von unzähligen keimenden Pflanzen— der
fühlt nach und nach die Rinde ſchmelzen, die ſein Herz nicht
nur umzieht, ſondern auch ſchmerzhaft zuſammendrückt, und wenn
er alsdann in der Nacht feſt und ruhig geſchlafen hat und am
Morgen in das lachende Geſicht des jungen, fröhlichen Tages
blickt, der vergißt leicht Kummer und Leid, und was ihm
geſtern niederdrückend vorkam, erſcheint ihm heute als eine vorübergehende Unannehmlichkeit.
Ja, wer das könnte! Aber für die meiſten der armen
Menſchen ſind die Sorgen ziemlich gleichförmig über das ganze
Jahr hin vertheilt, und ſchlage einer die finſteren Gedanken
ſich aus dem Sinn, wenn er nach einem Abende voll Ver⸗
drießlichkeiten am anderen Morgen durch die Straßen gehen
muß, wo ihm Regen und Schnee ins Geſicht peitſchen, wo er
mit der einen Hand ſeinen langen Stock hält und mit der anderen
ſeinen Hut beruhigt, der bei jedem Windſtoße allerlei verdäch⸗
— tige Bewegungen macht, um vom Haupte des Dahinwandeln⸗
den hinweg vielleicht in irgend eine ſtrömende Goſſe getrieben
zu werden!
Auf die eben beſchriebene Art war am anderen Morgen nach
jenem gemiſchten Thee Herr Larioz aus ſeiner Wohnung fort und
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auf das Bureau gegangen, an ſeiner Seite Gottſchalk, der von
Näſſe und Wind weniger zu leiden hatte, da er⸗ ſich hinter
ſeinem Vorgeſetzten hielt und durch die lange Geſtalt deſſelben
geſchützt wurde. Das Herz des Schreibers war immer noch 5— 5„
tief betrübt, und wenn wir uns am Eingang dieſes Kapitels
erlaubten, von einem heiteren Frühlingstage als einer Zeit


