Vierzehntes Kapitel.
„Adieu, Adieu!“ rief die Schwiegermutter, indem ſie mit ihrer Hand heftig gegen den Schreiber winkte.
Dieſer hätte ſich auch unfehlbar zurückgezogen, wenn ſich nicht in dieſem Augenblicke abermals die Thür geöffnet hätte und Clementine, die wahrſcheinlich im Nebenzimmer gelauſcht hatte, mit flammendem Blick eingetreten wäre und zu ihrer Schweſter geſagt hätte:„Du kannſt mir glauben, Emilie, wenn ich in deinem Hauſe nochmals ſolche Menſchen finden muß, wie dieſen da, ſo betrete ich deine Schwelle nicht mehr.“
„Ich war Ihnen wohl hinderlich, mein Fräulein?“ ſprach Herr Larioz mit großer Ruhe.
„Hinderlich?“ rief das junge Mädchen, indem die Röthe des Zorns ihre Wangen bedeckte;„hinderlich? Wie kann mir das hinderlich ſein?“ Dabei machte ſie dieſelbe verachtungs⸗ volle Handbewegung, wie vorhin ihre Frau Mutter.„Wenn mir nicht die paar Worte zu gut wären, die ich an Sie ver⸗ ſchwende, ſo würde ich Ihnen ſagen, daß Sie—“
„Sagen Sie lieber nichts,“ erwiderte der Schreiber, indem er einen einzigen, aber großen Schritt näher trat und Cle⸗ mentine mit ſeinen Augen ſcharf fixirte.
„Ja, ſage es ihm nur!“ rief die Schwiegermutter.— „Ein ſolcher Schleicher und Spion— ein nichtsnutziges Subjekt!“
„Madame!“
„Ein nichtsnutziges Subjekt, das es wagt, meine Tochter zu verdächtigen, während er ſelbſt vor Scham die Augen nicht aufſchlagen ſollte.— Ja, Scham!“ lachte ſie krampfhaft hin⸗ aus;„was kennt ſo Einer von Scham!“
„Die verlernt man freilich bei Ihnen, Madame,“ ent⸗ gegnete der alſo Gereizte, und es war ein Wunder, daß er


