Polniſcher Punſch. 329
im Lande umher zogen, um Drachen zu tödten und gefangene Königstöchter zu befreien.
Er hatte gerade eines der eben erwähnten Ungeheuer ſo genau als möglich, beſchrieben, als ſich die Nebenthür öffnete und Madame Weibel mit der Rechtsconſulentin eintrat; letz⸗ tere trug auf einem Teller zwei kleine Gläſer Punſch für die Kinder. Das Auge der Schwiegermutter verfinſterte ſich, als ſie den Schreiber bemerkte, und Madame Emilie ſchien durch ihren eigenthümlichen Blick fragen zu wollen: Verſtehſt du dieſe Frechheit, noch da zu bleiben?
„Herr Larioz erzählt uns eine ſchöne Geſchichte,“ ſagte Louiſe, die noch nichts von eigenthümlichen Blicken verſtand.
„Gerade als du herein kamſt, Großmama,“ ſetzte das Bübchen hinzu,„hat er von einem prächtigen Drachen erzählt. Eine ſchöne Geſchichte!“
„Die jetzt wohl aus iſt?“ entgegnete Madame Weibel in ſchneidendem Tone.
Worauf Herr Larioz ſehr ruhig antwortete:„Ja, Madame, ſie iſt vollkommen zu Ende.“
Damit erhob er ſich, um nach der Fenſterniſche zu gehen, wo ſein Hut ſtand.
Madame Weibel ſchaute ihm mit einem finſteren Blicke nach und meinte, halb zu ihrer Tochter gewandt:„Die Ge⸗ ſchichten in dieſem Hauſe hätten ſchon lange aufhören müſſen,
wenn dein Mann ein geſcheidter Mann wäre, oder“— ſetzte ſie achſelzuckend hinzu—„wenn gewiſſe Leute einſähen, wie
überflüſſig ſie ſind.“
Herr Larioz fuhr ruhig mit der Hand über ſeinen Hut, und verſetzte:„Es iſt aber leider nicht Jedermann gegeben, ſein Ueberflüſſigſein einzuſehen.“


