328 Bierzehntes Kapitel.
hatte eine hoffnungsvolle Tochter, mit welcher der junge Fa⸗ brikant ſchon öfters ſehr freundlich geſprochen.
Ah!“ machte es rings im Kreiſe, und man ſah gezwun⸗ genes Lächeln und lange Geſichter. Nur das Ahl der blaſſen Kaufmannswittwe war ein Laut der Freude und klang, als wenn ihr eine Centnerlaſt vom Herzen rolle.— Alſo nicht der ſchöne polniſche Graf!
Dann wurde von allen Seiten gratulirt, und ein wohl⸗ genährter Kanzleidirektor, der Junggeſelle war und eine gute Tafel liebte, ſagte ſchmunzelnd:„Eine Verlobung in der Küche iſt ein gutes Omen; ich werde häufig bei Ihnen ſpeiſen, lieber Schilder.“
Herr Larioz hatte ſich unterdeſſen noch für einen Augen⸗ blick in das Kinderzimmer zurückgezogen; er wollte nicht ſo aus dem Hauſe fortſtürzen, wie es der polniſche Graf ge⸗ than; er war ſich ſeines Rechtes bewußt, und es kochte in ihm, wenn er bedachte, daß der Trug und die Unredlichkeit dieſer Welt wieder einmal den Sieg davon tragen ſolle. Es that ihm weh, was er erlebt, und er mußte ſich zu einem Lächeln zwingen, als die Kinder freundlich auf ihn zuſpran⸗ gen und wiſſen wollten, warum man in der Küche ſo laut
geſprochen. Ja, obgleich es ihm lieber geweſen wäre, wenn er, um ſeiner düſteren Gedanken Herr zu werden, mit großen Schritten hätte im Zimmer auf⸗ und abſpazieren können, ſo mußte er ſich doch von Fritzchen und Louiſen auf einen Stuhl niederziehen laſſen, um ihnen einige der fabelhaften Geſchichten zu erzählen, die ſie ſo gern hörten und die er auch in ruhigen Augenblicken gern zu erzählen pflegte, von tapfern Rittern, die hoch zu Roß, ihr gutes Schwert in der Hand, ehemals


