326 Vierzehntes Kapitel.
röthete und lispelte die bedeutungsſchweren Worte:„Sprechen Sie mit meiner Mutter!“
Damit entſchlüpfte ſie ins Nebenzimmer, wo Babette ſchon lange bereit ſtand, um die Toilette der jungen Dame, ſo viel es thunlich war, wieder in Ordnung zu bringen.
Herr Schilder blieb am Anrichttiſche ſtehen; er lächelte vergnügt in ſich hinein, er ſchaute rechts, er ſchaute links, er ſchaute in die Höhe, er ſchaute vor ſich nieder, und als er Letzteres that, blickte er hinab in die Suppenterrine, wo der polniſche Punſch unzubereitet geblieben war. Gott ſei Dank, ſprach er zu ſich ſelber, daß der nicht fertig geworden iſt! Verſuchen wir, ob er am den koſtbaren Ingredienzien nichts ver⸗ dorben, und wenn wir nichts Verdächtiges finden, ſo machen wir ſiegreich ein harmloſes deutſches Gebräu.
Nachdem er hierauf mit dem Löffel gekoſtet, noch etwas Pomeranzenſaft und Rum dazu gethan, da die Beiden zu viel Zucker hinein gemiſcht, goß er eigenhändig das dampfende Waſſer in die Schüſſel und erfreute ſich hierauf an dem wür⸗ zigen Duft, der in ſeine Naſe ſtieg.
Der Punſch war fertig, Babette trug ihn ins Zimmer, und Herr Schilder ſchritt hinterdrein, erhaben, im Gefühle ſeines Sieges, ſüß lächelnd, Glück und Freude ſtrahlend.
Die Gäſte, vor allen die blaſſe Kaufmannswittwe, wußten nicht, was ſie glauben ſollten. Wohl hatte man einiges gemur⸗ melt von dem Auftritt in der Küche, was der Wahrheit ziem⸗ lich nahe kam, doch war das Ausſehen der Betreffenden ſo ganz anders, als man erwartet hatte.
Der Rechtsconſulent trug ſein gewöhnliches Geſellſchafts⸗ lächeln zur Schau, und Madame Weibel hatte Geiſtesgegen⸗ wart genug, ein paar vertrauten Freundinnen zu verſichern,


