Bierzehntes Kapitel.
Schilder's Fabrikation zu trinken— wirklich ſehr erfreuen, das Recept zu kennen; denn bis jetzt habe ich gedacht, wir allein ſeien im Stande, ein Punſch zu machen.“
„Das glaube ich auch wohl!“ rief eifrig der Maler. „Auf meinen Reiſen(er ſprach gern von ſeinen Reiſen, obgleich eigentlich Niemand wußte, welche Länder er bereist hatte,) traf ich mit vielen Ihrer Herren Landsleute zuſammen, die einige Mal das Ausgezeichnetſte in Punſch leiſteten.“
„Polen und Rußland,“ entgegnete ſtolz der Graf,„ſind eigentlich das Land der Pünſche.“
Als er das ſprach, überſchauerte es die blaſſe Kauf⸗ mannswittwe, und auch Clementine Weibel fühlte ſich ange⸗ nehm erregt.—„Pünſche“ hatte er geſagt, ach, und er ſprach dieſes Wort ſo deliciös aus!— Pünſche! Es klang das ſo weich, ſo wohllautend und doch wieder ſo melancholiſch.— O, es war ein einziger Menſch, der liebenswürdige Fremde, dachten drei Viertel der anweſenden Damen, und viele der⸗ ſelben, die ihn das zauberiſche Wort hatten ſprechen hören, ſpitzten ihren Mund und ſagten mit einem himmelnden Blick: „Pünſche— Pünſche!“
Da ſprach die alte ſtrenge Juſtizräthin wohl unbedachter Weiſe die ſchrecklichen Worte:„Es wäre wohl nicht unintereſſant, einmal einen polniſchen Punſch zu verſuchen.“
Und alsbald erklang es von allen Seiten:„Ach ja, Herr Graf, ein polniſcher Punſch!“ 1
Junge Damen, die heute Abend noch nicht des Glückes theilhaftig geworden, mit dem Helden der Geſellſchaft ein Wort zu reden, näherten ſich ihm mit flehend aufgehobenen
Händen und ſprachen ſo begeiſtert, als hofften ſie ein Stůck⸗


