Polniſcher Punſch. 309
Mochte der Rechtsconſulent in dem Herzen des Fabri⸗ kanten leſen oder mochte er auch die lachende Gruppe gern geſprengt ſehen oder ſonſt ſeine Nebenabſichten haben— genug, er wandte ſich mit dem freundlichen Lächeln, welches die Lippen eines Hausherrn beſtändig ziert, an Clementine Weibel und ſagte ihr ziemlich laut, ob ſie nicht wie gewöhnlich dem Herrn Schilder helfen wolle, ſeinen ſo bekannten und vortrefflichen Punſch zu brauen.
Clementine ſchaute im Kreiſe umher, das heißt ſie wandte nur ihren Kopf, ohne dabei mit den Augen die Blicke des intereſſanten Fremden zu verlaſſen, und ſagte:„Ach ja— mit Vergnügen.“
„Mein Freund, der Herr Schilder,“ ſetzte der Rechtscon⸗ ſulent händereibend hinzu,„iſt groß in der⸗Anfertigung des Punſches; er muß das Geheimmittel haben, denn wenn wir auch alle ſein Recept kennen, iſt doch Niemand im Stande, dieſes Getränk ſo wohlſchmeckend wie er anzufertigen.“
„Die Uebung, Herr Doktor, die Uebung,“ entgegnete der junge Fabrikant geſchmeichelt. Er fühlte ſich in dieſem Augen⸗ blicke überglücklich, doch wenigſtens etwas Anerkennenswerthes für die Geſellſchaft leiſten zu können. Wenn nur einiges Ge⸗ fühl in ihrem Herzen war, ſo mußte ſie ihm jetzt einen freund⸗ lichen Blick ſchenken, um ſo mehr, als ſich nun auch die Lieu⸗ tenants, ſowie der langhaarige Maler vernehmen ließen und eingeſtanden, daß ſie ſelten etwas Famoſeres getrunken als den Punſch des Herrn Schilder.
Da nahm der herzerobernde Fremde das Wort und ſagte mit ſeiner affektirt ſanften Stimme, welche übrigens von den blitzenden Augen Lügen geſtraft wurde:
„Auch ich werde mich ſehr erfreuen, ein Punſch von Herrn


