Bierzehntes Kapitel.
Nach dem Souper kamen abermals Spiele an die Reihe, und ſpät gegen Mitternacht ſollte die Soiree wie immer mit einem Punſche beſchloſſen werden. Auf die Anfertigung dieſes Punſches baute Herr Schilder einige kühne Hoffnungen; er glaubte darin Vorzügliches zu leiſten und wurde bei den mei⸗ ſten befreundeten Familien aufgefordert, ſich dieſem Geſchäfte zu unterziehen. Es war das ein Augenblick, fern von dem Geräuſche der Welt in der ſtillen Küche zugebracht, wo ſich ſchon Gelegenheit fand, ein freundliches Wort anzubringen.
Je mehr die Zeit zu Anfertigung des Punſches heran nahte, um ſo näher hielt ſich Herr Schilder bei der Gruppe, wo Clementine Weibel ſaß, an ihrer Rechten der polniſche Graf, an ihrer Linken ein Lieutenant— eine Gruppe, bei der ſich auch die Kaufmannswittwe befand, ſowie Madame Springer, und wo es außerordentlich vergnügt und luſtig zuging.
Nun iſt es aber für Jemand, der ſich in einer gedrückten Stimmung befindet, ſehr ſchwer, luſtig zu ſein. Die harm⸗ loſeſten, ja, heiter ſein ſollenden Aeußerungen kommen in ſol⸗ chen Augenblicken bitter und gereizt hervor, und ſelbſt das Lächeln, das man auf ſeinen Zügen ſehen läßt, erſcheint mehr wie ein Grinſen der Verzweiflung. Herr Schilder hatte ſonſt ganz gute Einfälle, aber heute wollte kein einziger gelingen; er kam ſich ſelbſt unbegreiflich fade vor und mußte es erleben, daß ſie, in deren Augen er ſo gern geglänzt hätte, ſich von ihm wegwandte, und daß allein der polniſche Graf ihm ein kleines Lächeln zollte, das aber ebenſo gut für ein Lächeln des Mitleids gelten konnte.
Aber bei der Punſchbereitung, das nahm er ſich feſt vor, da wollte er der jungen Dame einige paſſende Worte ſagen.


