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18 Zweites Kapitel.
und auf den Boden niederglitt, iſt durchaus nichts ſo Wun⸗ derbares; mancher Größere hätte es an ſeiner Stelle ge⸗ rade ſo gemacht und wäre wahrſcheinlich augenblicklich davon gelaufen, was Gottſchalk aber nicht that; er lehnte ſich vielmehr mit dem Rücken an die Mauer und ſah ſeinerſeits die Geſtalt feſt an.— Als der Schneider drinnen rief:„Der Teufel! der Teufel!“ glitt ein verächtliches Lächeln über die Züge des langen Mannes, und er ſagte mit ruhiger Stimme:„Du wirſt doch wohl nicht glauben, was der da drinnen ſpricht? Ich bin weder der Teufel, noch ſonſt was Schlimmes, wollte, wie jeder andere Chriſtenmenſch, nach Hauſe gehen und blieb noch einen Augenblick an dem Fenſter ſtehen, um den Spektakel zu hören.“
Der Lehrjunge hatte von ſeinem Vater eine gute Portion kecken Jägerblutes geerbt und fürchtete ſich mehr vor der Elle des Meiſters, ſowie vor deſſen dolchartiger Naſe, als vor dem Teufel. Alles war auf ſo gutem Wege geweſen, er hatte
ſchon den Hausſchlüſſel blinken ſehen, und ſelbſt die Straf⸗ predigt des Meiſters war bei ihrem gewöhnlichen Schluſſe an⸗ gelangt, wo er den Teufel erſuchte, Geſellen, Lehrjungen, kurz, wer ihn gerade ärgerte, Frau und Kinder nicht ausgenommen, augenblicklich zu holen. Da kam jener Zwiſchenfall, das Fen⸗ ſter flog klirrend zu, und das Licht erloſch.
Die lange Geſtalt zog ihren Mantel, der in der That ein rothes Unterfutter hatte, feſter um ſich und ſagte:„Ich habe keine Luſt, hier länger im Regen zu ſtehen, und mag einen ſo kleinen Menſchen, wie du biſt, doch auch nicht in Sturm und Nacht allein laſſen. Du biſt der Lehrjunge des Meiſters?“
„Ja, Herr,“ verſetzte der Knabe mit einem troſtloſen Sei⸗ tenblicke auf das dunkelgewordene Fenſter.
„Und warum biſt du nicht zur Zeit nach Hauſe gegangen?“


